Nach der Wahl des Düsseldorfer Historikers Winfrid Halder zum Vorsitzenden der Stiftung Flucht, Vertreibung, Versöhnung sind mindestens fünf Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats zurückgetreten. Auch der Beiratsvorsitzende Stefan Troebst aus Leipzig trat zurück. 

Man wolle dem neuen Direktor eigene Gestaltungsmöglichkeiten geben, sagte Troebst. "Zudem gab es im Bewerbungsverfahren mehrere Kandidaten, die deutlich besser qualifiziert waren als Halder – und die nicht eingeladen wurden."

Halder ist seit 2006 Leiter der Stiftung Gerhart-Hauptmann-Haus in Düsseldorf. Er war am Montag zum Nachfolger von Stiftungsdirektor Manfred Kittel gewählt worden. Dieser war Ende des Jahres von seinen Aufgaben entbunden worden, weil er sich mit den wissenschaftlichen Beratern überworfen hatte.

Proebst teilte mit, auch die beiden polnischen Wissenschaftler Piotr Madajczyk (Warschau) und Krysztof Ruchniewicz (Breslau) sowie der Berliner Historiker Michael Wildt seien zurückgetreten. Ruchniewicz begründete seinen Schritt in einem Schreiben an Kulturstaatsministerin und Stiftungsratsvorsitzende Monika Grütters (CDU) damit, dass ihm der neue Direktor und seine Qualifikation unbekannt seien. "Es ist ein guter Brauch, dass der Stiftungsrat in Zusammenarbeit mit dem neuen Direktor einen neuen Beirat wählen sollte, mit dem er (der Direktor) gut und einvernehmlich zusammenarbeiten kann." Der unterlegene Gegenkandidat Michael Schwartz vom Münchner Institut für Zeitgeschichte erklärte ebenfalls seinen Rücktritt.

Grütters (CDU), reagierte gelassen. "Das ist nichts Ungewöhnliches", sagte ihr Sprecher. Die fünfjährige Amtszeit des Beraterkreises laufe im Herbst ohnehin aus. Er werde nach der Neuwahl des Stiftungsrats am Donnerstag im Bundestag neu berufen.

Die Stiftung soll die schon seit Jahren geplante Dauerausstellung über die Vertreibungen im Europa des 20. Jahrhunderts erarbeiten. Besonders im deutsch-polnischen Verhältnis ist das ein sensibles Thema. Polen befürchtet, die Deutschen könnten sich auf Druck der Vertriebenenverbände von Tätern zu Opfern machen und die eigene Schuld während der Nazizeit relativieren.

Der Stiftungsrat besteht aus 21 Mitgliedern, der Bund der Vertriebenen hat darin mit sechs Sitzen eine starke Stellung. Der Verbandsvorsitzende und CSU-Bundestagsabgeordnete Bernd Fabritius begrüßte Halders Wahl ausdrücklich. "Die Entwicklung der Bundesstiftung bleibt auf einem guten Weg." Auf die Rücktritte der Wissenschaftler reagierte Fabritius erstaunt. Im Nominierungsverfahren habe es aus dem Beraterkreis keine Hinweise auf Unstimmigkeiten gegeben.