Die Alternative für Deutschland (AfD) hat auf ihrem außerordentlichen Parteitag in Essen den Parteivorstand weitgehend komplettiert. Die Verbliebenen etwa 2.000 Teilnehmer wählten Beatrix von Storch und Alexander Gauland als stellvertretende Vorsitzende. Beide bekamen mehr als 80 Prozent der Stimmen. Wie die neue Parteichefin Frauke Petry gehören beide dem national-konservativen Parteiflügel an. Von Storch ist seit Juli 2014 Mitglied des Europäischen Parlaments. Gauland ist seit September 2014 Vorsitzender der AfD-Fraktion im Brandenburger Landtag.

Am Samstag war Petry zur neuen Parteivorsitzenden gewählt worden. Die bisherige Co-Vorsitzende hatte sich gegen Parteigründer Bernd Lucke durchgesetzt. 60 Prozent der Mitglieder stimmten für Petry, 40 Prozent für Lucke. Daraufhin reisten zahlreiche Lucke-Anhänger frustriert ab.

Zum zweiten Vorsitzenden hatten die Mitglieder am Samstagabend den Volkswirtschaftsprofessor Jörg Meuthen gewählt. Er gehört weder Petrys national-konservativem noch Luckes wirtschaftsliberalem Lager an. Dass Lucke den parteinahen Verein Weckruf 2015 gegründet hatte, hatte Meuthen aber einen "kapitalen Fehler" genannt.

Ein Teil der Mitglieder im Plenum hatte Lucke am Samstag für seine Äußerungen stark angefeindet. Er kam trotz seiner Niederlage am Sonntag wieder als einfaches Parteimitglied in die Halle. Als er in einem Interview am Rande andeutete, aus der Partei auszutreten, kam es zu tumultartigen Szenen. Es bildeten sich Menschentrauben, die überraschte Tagungsleitung unterbrach den Parteitag für zehn Minuten. Weil sich Missfallensäußerungen mehrten, ordnete der Parteivorstand Lucke mehrere Personenschützer zu. 

Noch ist Lucke Mitglied. "Eine Entscheidung darüber haben wir aber noch nicht getroffen", sagte Lucke. "Ich werde keinen Schnellschuss machen." Im ZDF deutete er an, es sei wahrscheinlich, dass er austreten werde. Nach Informationen aus Luckes Lager fällt die Entscheidung morgen. Wahrscheinlich ist, dass sich weitere Weckruf-Gründer und -Anhänger anschließen.

Petry gab die Zahl der in der Halle anwesenden Mitglieder kurz nach dem Mittag mit 2.000 an – das wären etwa 1.500 weniger als gestern. Im Laufe des Nachmittags erodierte die Versammlung stark – auch wegen der hohen Temperatur in der Halle. Das Plenum blieb aber beschlussfähig.

Die Vorstellung der Kandidaten für die verschiedenen Vorstandsposten war durch überwiegend nationalkonservative Äußerungen bestimmt. Die Menge reagierte auf Positionen zum Thema Familie, Einwanderung oder auf abgrenzende Worte zum Islam erneut teils frenetischen Jubel.   

Bleibt es bei der nur vorläufig bestätigten Parteisatzung, würde Petry automatisch am Jahresende alleinige Chefin. Meuten wäre dann ein weiterer Parteivize.