Ex-AfD-Chef Bernd Lucke tritt nach dem verlorenen Machtkampf aus der Partei aus. Er wolle nicht als bürgerliches Aushängeschild für Vorstellungen missbraucht werden, die er grundsätzlich ablehne, teilte der Mitbegründer der Alternative für Deutschland (AfD) mit. "Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten, die sich in der Partei teils offen, teils latent, immer stärker ausbreiten und die ursprüngliche liberale und weltoffene Ausrichtung der AfD in ihr Gegenteil verkehren."

Er habe zu spät erkannt, dass immer mehr Mitglieder in die Partei drängten, "die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen". Kommenden Freitag werde er aus der AfD austreten. Am selben Tag würden die Europaabgeordnete Ulrike Trebesius sowie "sehr viele Funktionsträger und einfache Mitglieder die Partei verlassen", schreibt Lucke. "Wir werden diesen Schritt tun in der festen Absicht, auch weiterhin für die politischen Ziele einzustehen, wegen derer wir gewählt wurden."

Am Wochenende unterlag Lucke auf dem AfD-Parteitag bei der Vorstandswahl seiner Konkurrentin Frauke Petry, die einen rechtspopulistischen Kurs einschlagen will. Die 40-Jährige appellierte an die AfD-Mitglieder, in der Partei zu bleiben und beteuerte, die AfD werde bei ihren Wurzeln bleiben. "Wenn durch den Austritt die Streitigkeiten jetzt beigelegt werden können, ist das genau das richtige Signal für uns", sagte Petry. "Der Austritt ist nur konsequent." Lucke habe seinen Austritt und auch die Neugründung einer Partei schon mit Gründung des Weckruf-Vereins vorbereitet, sagte sie.

Nach Luckes Angaben sind seit dem Wochenende über 1.000 Mitglieder aus der AfD ausgetreten. Der von Lucke initiierte Verein Weckruf 2015 will diese Woche entscheiden, ob er kollektiv die AfD verlässt und eine neue Partei gründet. Nach Informationen von ZEIT ONLINE hat sich bereits eine deutliche Mehrheit dafür ausgesprochen, eine neue Partei zu gründen.

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland bedauert den Parteiaustritt Luckes: "Ich finde es schade, ich hätte mir gewünscht, dass er dabei bleibt und um seine Ansichten in der Partei kämpft", sagte Gauland. Dass Lucke mit der möglichen Gründung einer neuen Partei Erfolg haben könnte, glaubt Gauland nicht. "Bernd Lucke ist wirklich kein guter Parteiführer", sagte der Brandenburger Landesvorsitzende. "Er hat nur immer sich im Mittelpunkt gesehen und nicht die Partei, und dieser Fehler wird ihm wahrscheinlich auch wieder passieren, wenn er eine neue Partei gründet."

Die AfD hat nach Parteiangaben rund 23.000 Mitglieder, Luckes Weckruf nach eigenen Angaben gut 4.000 Anhänger. Petry will die Austrittswelle in ihrer Partei verhindern. In einer E-Mail bat sie die Mitglieder, "keine übereilten Entscheidungen zu treffen". Gleichzeitig distanzierte sie sich von dem pöbelhaften Verhalten einzelner Teilnehmer des Bundesparteitages in Essen, auf dem Lucke wüst beschimpft worden war.

Petry dementierte Berichte über einen Rechtsruck der AfD und versprach: "Wir werden uns weiterhin von radikalen und extremistischen Positionen abgrenzen." Sie verband ihre E-Mail mit einer Umfrage. Demnach sollen sich die Mitglieder zu der Frage äußern: "Wie stellen Sie sich die Zukunft der AfD vor?"