Nach der Ablehnung der Homo-Ehe durch die Berliner CDU-Basis will der SPD-Politiker Johannes Kahrs gleichgeschlechtliche Ehen im Bundestag ohne die Union durchsetzen. Das im Koalitionsvertrag von Union und SPD vereinbarte gemeinsame Stimmverhalten müsse in dieser Frage aufgehoben und die Abstimmung im Bundestag freigegeben werden, forderte der Abgeordnete.

Rein rechnerisch existiert im Bundestag eine Mehrheit für die völlige Gleichstellung der Homo-Ehe: Neben der Regierungspartei SPD sind auch die Oppositionsparteien Grüne und Linke dafür. Aus Rücksicht auf die Koalitionsvereinbarung will die SPD aber eigentlich nicht gegen den Regierungspartner stimmen.

Kahrs wertete das Ergebnis der Mitgliederbefragung beim Berliner Landesverband der CDU als Beleg dafür, dass die Union in der Frage der Homo-Ehe tief gespalten sei. Würde das Abstimmungsverhalten im Bundestag freigegeben, könnten auch die Befürworter innerhalb der Union für die Homo-Ehe stimmen, argumentierte er.

An dem Berliner Basisvotum übte der SPD-Beauftragte für die Belange von Lesben und Schwulen scharfe Kritik: "Den Gedanken, eine liberale Großstadtpartei sein zu wollen, kann die Berliner CDU mit diesem Abstimmungsergebnis nur ein Jahr vor den Abgeordnetenhauswahlen gepflegt vergessen."

Laut am Freitag veröffentlichten Ergebnissen der Berliner CDU-Mitgliederbefragung sprach sich eine Mehrheit von 45 Prozent der Teilnehmer gegen die Öffnung der Ehe für Schwule und Lesben aus, 35 Prozent stimmten dafür. Es war das erste Mal überhaupt, dass ein CDU-Verband seine Mitglieder über ein Sachthema abstimmen ließ.