Es ist wieder Ruhe eingekehrt in Reichertshofen. Die Feuerwehr ist abgerückt, die Fernsehteams sind verschwunden und die Bewohner gehen ihrer Arbeit nach. Alles im Dorf nimmt seinen gewohnten Gang – wäre da nicht dieser beißende Geruch in der Luft, der sich über das kleine Dorf in Oberbayern gelegt hat.

Ganz Deutschland blickt seit gestern auf Reichertshofen im Landkreis Pfaffenhofen, genauer gesagt auf ihren kleinen Ortsteil Winden. Viel Aufmerksamkeit für ein kleines Dorf, das bisher vor allem Geschäftsleute kannten, die hier auf dem Weg nach München oder Ingolstadt Rast machten. Zu viel Aufmerksamkeit, wenn man die Bewohner fragt.

Vögel zwitschern, die Glocken der Kapelle schlagen acht Uhr früh, der Bus, der hier stündlich fährt, rollt die Hauptstraße runter Richtung Langenbruck. Der Eingang des leerstehenden Gasthofs ist mit rot-weißem Flatterband versperrt. Im September sollten hier Asylbewerber einziehen. Bürgermeister Michael Franken geht um das Gebäude herum, an der alten Diskothek vorbei, hebt eines der provisorischen Absperrgitter an, die die Polizei zur Tatortsicherung angebracht hat und tritt auf den gepflasterten Hof. "Hier, im Schutz der Baucontainer, hat der Täter das Feuer gelegt", sagt er und zeigt auf den Eingang der alten Dorfdisko.

Jetzt erst recht!

Zum Glück sei nur das Nebengebäude ausgebrannt. Die Feuerwehr war in der Nacht rechtzeitig vor Ort, bevor sich die schwere Eichentür am Hintereingang des Hauptgebäudes entzündet hat. Sonst wäre der ganze Gasthof abgebrannt. Um kurz vor drei verständigte ein Nachbar die Einsatzkräfte.

Auch der Bürgermeister wurde aus dem Schlaf gerissen. Die Ruine müsse jetzt schnell beseitigt werden. Solche Bilder wolle man nicht liefern. "Im September kommen die Flüchtlinge, daran wird auch der Brand nichts ändern", sagt er. Die Umbauarbeiten werden jetzt zügig abgeschlossen, ist der Bürgermeister überzeugt. Und dann wiederholt Franken einen Satz, mit dem er am Vortag bundesweit zitiert wurde: "Jetzt erst recht!"

Jetzt erst recht – das finden auch etwa 30 Ehrenamtliche, die sich für die Asylbewerber engagieren wollen. Am Abend nach dem Brandanschlag treffen sie sich im Pfarrheim in Reichertshofen. Den Ort hatten sie kurzfristig verlegt, um dem Presserummel zu entgehen. Der Bürgermeister ist gekommen, er spricht gerade. Da kommt Unruhe auf. Wer der Fremde in der Runde sei – ich. Ich wollte die nächste Möglichkeit abpassen, um mich vorzustellen. Doch dazu kommt es nicht. Man stellt mich zur Rede und wirft mich raus. "Sie verlassen jetzt augenblicklich das Gebäude, sonst rufe ich die Polizei", sagt eine Frau und begleitet mich zur Tür. Ich warte draußen.

Als sich die Versammlung gegen halb zehn auflöst, weist mich die Frau erneut darauf hin, dass ich nicht willkommen sei. Sie habe einen guten Kontakt zur Lokalpresse, die sie informiert hätte, wenn Presse erwünscht gewesen wäre. Andere Teilnehmer dagegen versicherten mir, dass es nicht böse gemeint sei, man aber nach den schlimmen Ereignissen erst mal unter sich sein wolle, um zu sehen, wie es jetzt weitergehen könne.

Pizza und Politik

Am Stammtisch in der Pizzeria La Sicilia in Winden ist man später gelassener. Nur wenige Meter vom Brandort entfernt sitzen hier vier Männer und eine Frau zusammen. Jeden Donnerstag kommen sie hier zusammen, erzählen sie. Meistens gehe es kontrovers zu, was daran liege, dass vom AfD-Sympathisanten über den CSU-Anhänger bis zum Sozen alles vertreten sei.

Auch Wolfgang Freudenberger ist gekommen. Er ist SPD-Ortsvereinsvorsitzender und war deshalb auch beim Helferkreis. Für den Rauswurf entschuldigt er sich.