Schäuble dagegen will, anders als die jetzige Verteidigungsministerin, nichts mehr werden. Das macht ihn völlig frei in dem was er sagt und tut. Der Kanzlerin gegenüber war er bisher stets loyal, aber er wahrt seine innere Unabhängigkeit, er ist nicht leicht zu kontrollieren. Und er kann sehr stur sein. Er werde sich nicht zwingen lassen, hat er nun zu Protokoll gegeben. Wenn das jemand versuche, dann werde er eben zum Bundespräsidenten gehen – sprich: zurücktreten. Deutlicher kann er nicht sagen, dass es ihm in der Griechenlandpolitik um unumstößlich eigene Überzeugungen geht.

Die Drohung wird über den Verhandlungen schweben

Das wird Merkel noch erheblich zu schaffen machen. Denn Schäuble wird für die Bundesregierung in der Eurogruppe die Verhandlungen mit Griechenland führen. Darüber wird nun immer die Grexit-auf-Zeit-Drohung schweben. Sollte es zu Problemen kommen – wovon auszugehen ist – kann Schäuble sie jederzeit wieder hervorholen. Und er kann sich stets der Zustimmung eines erheblichen Teils der Unionsfraktion und der Bevölkerung sicher sein. Die Verhandlungen mit Athen wird das sicher nicht erleichtern.

Merkel wird das nicht verhindern können. Ein unwichtigeres Kabinettsmitglied wie seinerzeit Umweltminister Norbert Röttgen könnte sie feuern. Bei Schäuble geht das nicht so leicht. Deshalb wird sie einstweilen mit dem offenen Dissens leben müssen. So lange dieser der Union hilft, wird sie es ertragen. Erst, wenn Schäubles offener Widerspruch ihre eigene Autorität gefährdet, dürfte es Merkel zu viel werden. Auch ihr wichtigster Minister wird nur so lange bleiben dürfen, wie er Merkel noch nützt.