Mehr als fünf Stunden lang haben die Unionsabgeordneten am Donnerstagabend mit sich gerungen. In zahlreichen Diskussionsbeiträgen wurden die Argumente für und gegen die Aufnahme der Verhandlungen über ein drittes Hilfsprogramm für Griechenland hin- und her gewendet. Am Ende der langen Fraktionssitzung stand dann fest: Wenn der Bundestag darüber am Freitag abstimmen wird, wird Bundeskanzlerin Angela Merkel die große Mehrheit ihrer Fraktion hinter sich wissen.

Allerdings muss sie dennoch mit deutlich mehr Gegenstimmen rechnen als bisher. 48 Abgeordnete der 311-Mitglieder starken Fraktion stimmten bei einer Probeabstimmung mit Nein, drei enthielten sich. Als es im Februar um Verlängerung des zweiten Hilfsprogramms für Griechenland ging, hatten nur 29 Abgeordnete mit Nein votiert. Der Widerstand fällt damit weit größer aus als in der SPD-Fraktion, die am Donnerstagabend fast komplett für die Verhandlungen stimmte. 

Für Merkel ist das Ergebnis ein wichtiger Gradmesser dafür, wie stark ihr Rückhalt in dieser zentralen Frage in der eigenen Fraktion noch ist. Bleibt es bei etwa 50 Nein-Stimmen wird die Kanzlerin damit wohl leben können. Denn dass die Union einem dritten Hilfspaket für Griechenland besonders skeptisch gegenübersteht, war seit Monaten klar.

Dafür werde es in der Fraktion keine Mehrheit geben, glaubten viele Unions-Abgeordnete lange. Zudem hatten schon im Februar mehr als 100 Parlamentarier von CDU und CSU ihre Zustimmung mit einer persönlichen Erklärung verbunden, in der sie auf Distanz zu der Rettungspolitik gingen. Insofern hätte die Zahl der Nein-Sager durchaus auch noch höher ausfallen können.

Unter denen, die nun ihrerseits Oxi sagen wollen, sind viele, die schon gegen frühere Rettungspakete gestimmt haben. Ex-Minister Peter Ramsauer (CSU) zum Beispiel, die Vertreter des Wirtschaftsflügels Carsten Linnemann und Christian von Stetten oder der Innenpolitiker Wolfgang Bosbach, der sich nun sogar einen Rückzug aus der Politik erwägt, weil er nicht länger im Gegensatz zu seiner Fraktion stehen möchte.

Misstrauen unendlich gewachsen

Andere dagegen, die in den vergangenen Wochen als scharfe Grexit-Befürworter auftraten, wollen nun doch zustimmen. Der frühere Innenminister Hans-Peter Friedrich zum Beispiel. "Das Misstrauen gegen Griechenland ist unendlich gewachsen. Eigentlich sind wir nicht für ein drittes  Hilfspaket, aber Wolfgang Schäuble hat jetzt unsere Unterstützung verdient", begründete Friedrich seinen Meinungswechsel.

Viel war in der Union in den vergangenen Wochen von "zerstörtem Vertrauen" die Rede. Dass der griechische Ministerpräsident Alexis Tsipras kurz vor der Abstimmung über die Brüsseler Reformvorgaben im griechischen Parlament auf Distanz zu den Vereinbarungen ging, hat die Sache nicht besser gemacht.

"Wie kann man diesem Mann glauben, dass er es mit den versprochenen Reformen wirklich ernst meint?" Diese Frage stellen sich nun viele Unionsabgeordnete. Viele Kritiker weisen außerdem darauf hin, dass sie die rechtlichen Voraussetzungen für ein Hilfsprogramm aus dem Europäischen Rettungsfonds ESM für nicht gegeben halten. Schließlich dürfe es ein solches eigentlich nur geben, wenn die Stabilität der Eurozone insgesamt in Gefahr sei. Davon könne aber keine Rede sein.

Eine Last für künftige Generationen

Auch für den schlewsig-holsteinischen Abgeordneten Mark Helfrich, der im Februar noch mit Ja gestimmt hatte, ist dies ein Grund, diesmal nicht zuzustimmen. "Wir müssen innerhalb der EU Verträge und Regeln einhalten", sagte er ZEIT ONLINE. Helfrich hat aber noch ein anderes Motiv: "Wir belasten künftige Generationen", sagt er. Denn erst die würden die Lasten der Kredite wirklich zu spüren bekommen.

Dass auch unter denen, die nun zustimmen wollen, etliche sind, die ernsthafte Zweifel an dem jetzigen Kurs haben, dürfte sich auch diesmal wieder an den persönlichen Erklärungen zeigen, mit denen viele Ja-Sager ihr Votum verbinden wollen.