Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Torsten Albig stellt den Sinn einer SPD-Kanzlerkandidatur 2017 infrage. "Ich habe keinen Zweifel, dass Parteichef Sigmar Gabriel es exzellent machen würde", sagte der SPD-Politiker im Sommerinterview mit NDR 1 Welle Nord. Er glaube aber, dass es schwer sei, gegen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu gewinnen. "Ich glaube, sie macht das ganz ausgezeichnet – sie ist eine gute Kanzlerin." Das müsse man einfach zur Kenntnis nehmen. Albig bezieht sich auf die schlechten Umfragewerte für die Bundes-SPD.

Der Ministerpräsident kann sich deshalb eine Bundestagswahl ohne einen SPD-Kanzlerkandidaten vorstellen. Wahlziel seiner Partei könne es Albig zufolge sein, an der nächsten Regierung beteiligt zu sein. Dafür brauche man zwar einen starken Spitzenkandidaten. "Ob die Bezeichnung Kanzlerkandidat noch richtig ist oder nicht, das werden wir sehen." Die SPD werde zur rechten Zeit über einen möglichen Kandidaten entscheiden.

Ralf Stegner, Landeschef der SPD in Schleswig-Holstein und stellvertretender Parteivorsitzender, reagierte prompt. Das Ziel sei das Kanzleramt, schrieb er auf Twitter. Die SPD wolle keinen Wettbewerb mit den Grünen darum, wer 2017 Juniorpartner der Union werde.

Eine ähnliche Reaktion kam von Lars Klingbeil.  "Kämpfen statt Jammern", schrieb er auf Twitter. Das könne man von den Niedersachsen lernen. Auf die Frage, ob er nach wie vor an eine Kanzlerkandidatur der SPD glaube, schrieb er: "Natürlich."

Die SPD kommt seit Monaten nicht aus dem Umfragetief und verharrt dort um die 25-Prozent-Marke. Die Union liegt mit mehr als 40 Prozent uneinholbar vorne.

Zuletzt hatte es auch in der SPD massive Kritik am Parteivorsitzenden gegeben. Sigmar Gabriel verwässere SPD-Positionen bei den Themen Griechenland, Vorratsdatenspeicherung und Flüchtlinge, so der Vorwurf.