ZEIT ONLINE: Herr Laschet, Sie gehören zu denen in der CDU, die sich für ein Einwanderungsgesetz stark machen. Die CSU findet, angesichts von 800.000 Flüchtlingen, die in diesem Jahr nach Deutschland kommen werden, sei das das falsche Thema zur falschen Zeit. Ist da nicht was dran?

Armin Laschet: Im Gegenteil. Gerade weil so viele Flüchtlinge nach Deutschland kommen, müssen wir diese Debatte jetzt führen. Ein Einwanderungsgesetz ist notwendiger denn je.

Entscheidend ist, dass wir zwischen Asyl und Einwanderung sauberer trennen. Asyl ist nur für Schutzbedürftige, die vor Krieg oder Verfolgung fliehen. Wer darauf keinen Anspruch hat, muss in schnelleren Asylverfahren zurückgeführt werden. Das gilt zum Beispiel für die Asylbewerber aus den Demokratien des Balkans, die 40 Prozent aller Verfahren bei uns ausmachen. Parallel dazu muss man mit einem Einwanderungsgesetz denen, die zum Arbeiten nach Deutschland kommen wollen, einen legalen Weg weisen. Dann kommen sie nicht als Flüchtlinge. 

ZEIT ONLINE: Auch von Angela Merkel hieß es zuletzt, sie halte ein Einwanderungsgesetz derzeit nicht für vordringlich. Haben Sie die Unterstützung der Kanzlerin?

Laschet: Wir werden am 14. September im CDU-Vorstand über die Vorschläge der Zukunftskommission Zusammenhalt stärken abstimmen, zu denen auch die Forderung nach einem Einwanderungsgesetz gehört. Ich werbe für unseren Vorschlag.

ZEIT ONLINE: Am Ende muss der Parteitag entscheiden. Die Forderung nach einem Einwanderungsgesetz stieß auch in der CDU zunächst auf viel Ablehnung. Erwarten Sie dass es darüber noch harte Debatten geben wird?

Laschet: Nein, das glaube ich nicht. De facto haben wir schon jetzt mehrere Einwanderungsgesetze. Seit 2005 gibt es ein Gesetz zur Steuerung und Begrenzung von Zuwanderung, es gibt ein Aufenthaltsgesetz, es gibt Möglichkeiten für Hochqualifizierte und es gibt eine Liste mit 70 Mangelberufen, zu denen Einwanderung erwünscht ist. Mein Plädoyer ist ja nur,  dass man alle diese sehr bürokratischen unterschiedlichen Vorschriften in einem neuen Gesetz zusammenfasst, das dann auch für jeden verständlich ist und für ein Einwanderungsland die richtige Tonlage findet. 

ZEIT ONLINE: Substantiell soll sich also gar nichts ändern?

Laschet: Wir werden sicher noch an einigen Stellen nachjustieren müssen, zum Beispiel bei der Vorrangprüfung mit der festgestellt wird, ob es für einen Arbeitsplatz nicht auch einen passenden deutschen Bewerber gibt. Die darf nicht monatelang dauern, sonst ist der Hochqualifizierte längst woanders.

Ich glaube aber, wenn wir ein klares Gesetz hätten, wäre schon viel gewonnen. Die Vorschriften, die es gibt, sind ja im Prinzip in Ordnung aber kompliziert – nicht nur für den potenziellen Einwanderer. Ich höre von mittelständischen Unternehmen, die händeringend Arbeitskräfte suchen. Doch sie wissen nicht, wie sie an ausländische Fachkräfte kommen können.