Um der steigenden Zahl an Asylbewerbern in Deutschland schneller gerecht zu werden, braucht es aus Sicht der Kommunen mehr Geld und mehr politische Koordination. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund sprach sich für eine Task Force auf Bundesebene zur Steuerung der Flüchtlingspolitik aus, in der auch der Sachverstand der Kommunen Gehör finde. "Das wäre ein wirksames Mittel, um die Reaktionszeiten zu verkürzen und die Koordination zu verbessern", sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg der Neuen Osnabrücker Zeitung.

Landsberg forderte zudem deutlich mehr finanzielle Hilfe des Bundes. Die für das Jahr 2015 zugesagte eine Milliarde Euro reiche angesichts steigender Flüchtlingszahlen nicht annähernd aus. "Die Summe muss mindestens verdoppelt werden", betonte Landsberg. Auch müssten Asylbewerber und geduldete Flüchtlinge schneller arbeiten dürfen. "Es ist im Interesse dieser Menschen, dass sie in dieser Zeit einer Arbeit nachgehen können", erklärte Landsberg. Daher sei es sinnvoll, die Bildungsabschlüsse bei Ankunft der Asylbewerber systematisch zu erfassen.

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsident Erwin Sellering (SPD) bekräftigte erneut, dass Asylanträge schneller bearbeitet werden müssten. "Insgesamt müssen wir möglichst schnell Klarheit schaffen, wenn Menschen hierherkommen", sagte Sellering NDR Info.

Auch die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) mahnte eine raschere Bearbeitung der Asylanträge an. Dabei zeigte sie sich offen für eine Ausweitung der sicheren Herkunftsstaaten auf weitere Balkanländer. "Ich persönlich könnte mir weitere sichere Herkunftsländer vorstellen", sagte die SPD-Politikerin der Frankfurter Rundschau.

Bundesregierung will mehr Sozialbauten für Flüchtlinge

Die Bundesregierung appellierte unterdessen an die Länder, wegen der hohen Flüchtlingszahlen den sozialen Wohnungsbau anzukurbeln. "Um bezahlbare Wohnungen zu schaffen und Flüchtlinge menschenwürdig unterzubringen, stehen uns bewährte Programme zur Verfügung. Eine besondere Rolle spielt hierbei der soziale Wohnungsbau", sagte Bundesbauministerin Barbara Hendricks (SPD) der Rheinischen Post. "Diesen müssen und wollen wir stärken", sagte Hendricks.

Der Bund stelle den Ländern pro Jahr 518 Millionen Euro für neue Sozialwohnungen zur Verfügung. Die Zweckgebundenheit dieser Mittel sei auf Druck der Länder seit 2007 entfallen. Doch im Rahmen des Bündnisses für bezahlbares Wohnen und Bauen "arbeiten wir mit den Ländern darauf hin, dass alle Länder diese Mittel zweckgebunden in den sozialen Wohnungsbau investieren", sagte Hendricks.

Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) forderte erneut einen besseren Schutz von Asylbewerbern vor ausländerfeindlichen Übergriffen. "Ganz gleich, aus welchen Gründen Menschen zu uns kommen und wie lange sie bleiben – wir müssen sie besser schützen", schrieb er in einem Gastbeitrag für das Redaktionsnetzwerk Deutschland. Dies sei eine Aufgabe nicht nur für die Behörden, sondern für alle Bürger.

Der Leiter des Deutschen Instituts für Entwicklungspolitik, Dirk Messner, regte erneut ein Ministerium für globale Entwicklungsfragen an. Neben Armutsbekämpfung müssten dort Klima-, Ressourcen- und Umweltschutz sowie Kooperationen im Bereich Wissen, Technologie und Innovationen unter einem Dach vereint werden, sagte er im Deutschlandradio Kultur. Die Migration werde zurückgehen, wenn es gelinge, Krisen zu bekämpfen. Zu häufig seien in der Vergangenheit Diktaturen unterstützt worden, in der Annahme, dies trage zu Stabilität bei.