ZEIT ONLINE: Frau Kämper-Bürger, was genau ist die Aufgabe einer Rückkehrerberatung?

Gabriele Kämper-Bürger: Wir beraten Flüchtlinge aus Nicht-EU-Ländern, die zurück in ihre Heimat wollen oder müssen. Das können auch Menschen sein, die seit Jahrzehnten in Deutschland leben, sich aber in ihrem Heimatland eine neue Existenz aufbauen wollen. Zurzeit schickt das Ausländeramt sehr viele Menschen vom Balkan zu uns. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt und sie sind zur Ausreise verpflichtet. Es hat Vorteile für sie, das Land freiwillig zu verlassen, statt in ein Flugzeug gesetzt und abgeschoben zu werden.

ZEIT ONLINE: Welche Vorteile sind das?

Kämper-Bürger: Wir zahlen diesen Menschen in der Regel das Busticket in die Heimat und 25 Euro Vespergeld. Die Flüchtlinge haben eine Woche Zeit zur Ausreise, sie können den Zeitpunkt also selbst bestimmen und werden nicht mitten in der Nacht abgeholt. Außerdem bekommen sie keinen Sperrvermerk in den Pass, das ist für viele Menschen vom Balkan attraktiv, denn dann können sie bald wieder nach Deutschland reisen.

ZEIT ONLINE: Wie oft erleben Sie verzweifelte Flüchtlinge, die nicht zurück wollen?

Kämper-Bürger: Die allermeisten sind gefasster Stimmung. Manche sagen auch ganz offen, dass ihnen die paar Monate in Deutschland bis zur Ablehnung ihres Asylantrages sehr geholfen haben. Nach fünf Monaten in Deutschland haben sie genug Ersparnisse, um in der Heimat ihre Kinder durch den Winter zu bringen. Da nehmen manche bei uns kein Blatt vor den Mund.

ZEIT ONLINE: Was denken Sie, wenn Sie das hören?

Kämper-Bürger: Dass das natürlich nicht geht. Aber dass es legal ist und ich es in Ihrer Situation vielleicht genauso machen würde. Es ist kompliziert. Deutschland muss andere Wege für Menschen vom Balkan schaffen, die hier arbeiten wollen. Ich halte viel von einem Kontingent an Arbeitsvisa für Menschen aus diesen Ländern, das derzeit diskutiert wird. Dann würden sie weniger aussichtslose Asylanträge stellen.

ZEIT ONLINE: Zahlen Sie allen, die freiwillig ausreisen, die gleiche Unterstützung?

Kämper-Bürger: Um Missbrauch vorzubeugen, dürfen wir Menschen aus Serbien, Mazedonien, Bosnien-Herzegowina und Albanien nur ein Heimfahrtticket zahlen. Dazu haben uns unsere Geldgeber verpflichtet.

ZEIT ONLINE: Und die anderen bekommen mehr?

Kämper-Bürger: Wir gucken uns jeden Fall genau an, hängt da eine kleine Familie dran oder ist jemand alleinstehend. Einem Rückkehrer nach Afghanistan zahlt auch die Internationale Organisation für Migration, an der wir uns orientieren, 750 Euro, 300 Euro an einen Westafrikaner. Wenn jemand sehr lange in Deutschland war, können es auch schon mal 1.500 Euro sein. Gerade habe ich das einer Äthiopierin als Starthilfe überwiesen, sie war 16 Jahre in Deutschland. Insgesamt stehen uns 50.000 Euro im Jahr für die Rückkehrhilfe zur Verfügung.