Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge, Manfred Schmidt, hält nichts davon, gegen Bezahlung mehr Flüchtlinge im Osten Deutschlands unterzubringen. "Es löst ja das Problem der Erstaufnahme nicht", sagte Schmidt zu entsprechenden Forderungen aus Baden-Württemberg. "Wenn die Betten verlagert werden, müsste dann – um es effektiv zu machen – eigentlich auch die Verwaltung nachgezogen werden." Das sei unwahrscheinlich, erklärte Schmidt bei einem Besuch der überbelegten Landeserstaufnahmestelle in Ellwangen (Ostalbkreis).

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hält den Vorschlag von Baden-Württembergs Ministerpräsident Kretschmann ebenfalls für unrealistisch. Die Kommunen hätten die Grenzen ihrer Aufnahmefähigkeit für Flüchtlinge erreicht. "Der Vorschlag wird auch durch permanente Wiederholung nicht besser", sagte Woidke. Es mute eigentümlich an, wenn gerade ein grüner Politiker Flüchtlinge als Handelsware etikettiere. "Der Vorschlag geht im Übrigen an den Realitäten vorbei", sagte er. Die Menschen in den aufnehmenden Orten dürften nicht mit unrealistischen Vorschlägen demotiviert werden.

Auch Sachsen-Anhalts Regierungschef Reiner Haseloff (CDU) lehnt eine stärkere Verteilung von Flüchtlingen auf Ostdeutschland ab. "Der Königsteiner Schlüssel ist eine gerechte und solidarische Regelung", sagte Haseloff. Dieser bestimmt, wie viele Flüchtlinge ein Bundesland aufnehmen muss. Er orientiert sich an Einwohnerzahl und Wirtschaftskraft. Sachsen-Anhalt hat einen Anteil von derzeit rund drei Prozent. Der Königsteiner Schlüssel sei "ein bewährtes Instrument, das wir auf keinen Fall abschaffen sollten", sagte Haseloff. Im Gegenteil wäre es richtig, wenn auch innerhalb der Europäischen Union ein Verteilungsschlüssel geschaffen würde.

Der Ministerpräsident von Mecklenburg-Vorpommern, Erwin Sellering (SPD), schloss sich in einem Bild-Interview seinen Amtskollegen an. "Das geht so nicht", sagte er der Zeitung. Alle Bundesländer müssten "mehr Flüchtlinge aufnehmen, als vorherzusehen" gewesen sei. "Das stellt auch die ostdeutschen Länder vor große Herausforderungen", hob Sellering hervor.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) hatte am Wochenende erneut vorgeschlagen, mehr Flüchtlinge in den neuen Bundesländern unterzubringen – unter anderem aufgrund vieler leerstehender Gebäude dort. Nach Baden-Württemberg kommen voraussichtlich in diesem Jahr mehr als doppelt so viele Flüchtlinge wie im vergangenen Jahr. Das Land sucht ähnlich wie andere Bundesländer geeignete Unterkünfte. Viele Erstaufnahmestellen im Südwesten sind überfüllt.