Bis zur Entscheidung über einen Nachfolger für das umstrittene Sturmgewehr G36 bestellt die Bundeswehr zusätzlich 1.200 Gewehre für Soldaten in Auslandseinsätzen. Es handelt sich um 600 Sturmgewehre auf der Basis des in der Bundeswehr bereits genutzten Gewehrs G27P sowie 600 leichte Maschinengewehre MG4. Einen entsprechenden Bericht der Süddeutschen Zeitung bestätigte das Ministerium am Donnerstagabend. 

Hersteller der neuen Gewehre ist der SZ zufolge Heckler & Koch und damit dieselbe Firma, die das Pannengewehr G36 fertigte. Das G36 war bislang die Standardwaffe der Bundeswehr, sie verfügt über knapp 170.000 Stück. Nach jahrelanger Kritik und diversen, teils widersprüchlichen Gutachten räumte Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) Ende März massive Probleme bei der Treffsicherheit des G36 bei hohen Außentemperaturen oder vielen Schüssen hintereinander ein.

Die Ergebnisse einer vom Ministerium eingesetzten Kommission zur Untersuchung der Treffsicherheit des G36 sollen am 1. Oktober veröffentlicht werden. Heckler & Koch streitet etwaige Mängel an der Waffe ab. Er will gerichtlich feststellen lassen, "dass die behaupteten Sachmängel nicht bestehen". 

Mit der Bestellung der neuen Gewehre sei eine Interimslösung gefunden worden, schreibt die Zeitung. Sowohl das G27P als auch das MG4 werden bereits in der Bundeswehr genutzt. Nach Ministeriumsangaben stehen beim G27P noch Präzisionstests aus, doch wird erwartet, dass die Gewehre in der zweiten Jahreshälfte 2016 in den Einsätzen genutzt werden können.

Auch die 600 Gewehre vom Typ MG4 sollen laut Ministerium bis Ende 2016 beschafft werden. Die Beschaffung aller Gewehre soll  insgesamt etwa 18 Millionen Euro kosten. Hinzu komme "ein regelmäßiger jährlicher Finanzbedarf für die Nutzung der Waffen".