SPD-Chef Sigmar Gabriel hält Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Bundestagswahl 2017 für schlagbar. In einer Demokratie sei "jeder schlagbar". Die SPD werde einen Kanzlerkandidaten aufstellen und um die Kanzlerschaft kämpfen, sagte Gabriel der Bild-Zeitung.

Ob er selbst zur Kanzlerkandidatur bereit ist, ließ Gabriel offen: "Mal abgesehen davon, dass es eine große Ehre und auch Verantwortung wäre, für dieses wichtige Amt nominiert zu werden: Zwei Jahre vor der nächsten Bundestagswahl macht es keinen Sinn, über Kanzlerkandidaturen zu philosophieren." In einer Forsa-Umfrage hatten sich zuletzt 61 Prozent der SPD-Anhänger bei der Kanzler-Präferenz gegen ihren Parteichef  ausgesprochen.

Gabriel reagierte auf den Vorstoß des Ministerpräsidenten von Schleswig-Holstein, Torsten Albig, der öffentlich erwogen hatte, die Sozialdemokraten könnten angesichts der Beliebtheit Merkels auf einen Kanzlerkandidaten verzichten und sich darauf konzentrieren, Partner in einer großen Koalition zu bleiben.

"Inhalte sind CDU/CSU im Zweifel egal"

Gabriel sagte zu dieser Debatte um die SPD-Kandidatur: "Albig hat recht, wenn er die SPD auffordert, stolz darauf zu sein, was sie selbst ohne Kanzler für die Menschen in Deutschland erreicht hat." Im Gegensatz zur Union sei die SPD noch nie in Wahlen gegangen, nur um am Ende den Kanzler zu stellen. "CDU/CSU reichte immer die Macht", sagte Gabriel. Inhalte seien im Zweifel egal gewesen. "Wir Sozialdemokraten wollen dagegen regieren, um das Leben der Menschen besser zu machen."

Gabriel zeigte sich offen für eine Mitgliederbefragung über den SPD-Kanzlerkandidaten 2017: "Ich habe immer großen Wert darauf gelegt, die direkte Beteiligung in der Partei zu erhöhen. Deshalb haben die Mitglieder auch über den Koalitionsvertrag abgestimmt." Ein Mitgliederentscheid über die Kanzlerkandidatur brächte eine große Mobilisierung für die SPD, sagte er. "Dafür bräuchte es dann aber mehr als nur einen Kandidaten. Damit beschäftigen wir uns Ende 2016."

Auf eine Urwahl des SPD-Kanzlerkandidaten für 2017 drängen vor allem die Jungsozialisten. Das "Auskungeln eines Kandidaten" wie 2013 dürfe es nicht mehr geben, sagte Juso-Chefin Johanna Uekermann Anfang August. Die SPD habe mehr als nur einen möglichen Kanzlerkandidaten.