Deutschland tut sich bei der Umsetzung von umweltrelevanten Richtlinien der Europäischen Union offenbar schwer. Derzeit liegen 14 Verfahren der EU-Kommission wegen der Nichtumsetzung von Umweltrichtlinien vor, antwortete Umweltstaatssekretärin Rita Schwarzelühr-Sutter vor Kurzem auf eine Anfrage des grünen Abgeordneten Peter Meiwald. In den ersten sechs Monaten des Jahres sind drei neue Mahnschreiben aus Brüssel dazugekommen. Dabei geht es um zu viel Nitrat in der Luft, ein weiteres Verfahren gegen zu viel Nitrat im Wasser gegen das Agrarministerium ist bereits im Gang. Außerdem haben Bund und Länder nicht genügend Naturschutzgebiete nach Brüssel gemeldet.

Aber nicht nur im Umweltressort gibt es Probleme. Kommende Woche muss das Wirtschaftsministerium EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete die Frage beantworten, warum Deutschland die bis Juli 2014 umzusetzende Energieeffizienzrichtlinie immer noch nicht vollständig in deutsches Recht überführt hat.

EU-Kommission sieht gravierende Mängel

Bei zwölf von 30 Artikeln sieht die EU-Kommission offenbar gravierende Mängel. Manche sind formal, wie etwa die Beschwerde, dass die deutsche Regierung keine Begriffsbestimmung abgeliefert hat. Andere sind schwerwiegend, wie der Vorwurf, dass das Kernstück der Richtlinie nicht eingehalten wird, nämlich die Vorgabe, dass die Endkunden der Mitgliedsländer im Jahr 1,5 Prozent der Energie einsparen sollen. Außerdem befürchtet die EU-Kommission, dass sich Deutschland Fortschritte bei der Energieeffizienz mehrfach gutschreibt.

Die Abgeordnete Julia Verlinden von den Grünen kann darüber nur den Kopf schütteln. "Die Bundesregierung riskiert mit ihrem fehlenden Engagement fürs Energiesparen nicht nur hohe Strafzahlungen. Sie lässt auch einen entscheidenden Baustein der Energiewende ohne Not links liegen", sagte sie dem Tagesspiegel.

Nachhaltigkeit - Kurz erklärt: Was ist die Energiewende?