Der Präsident des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (Bamf), Manfred Schmidt, hat seinen Rücktritt erklärt. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, bat Schmidt aus "persönlichen Gründen" darum, von seinen Aufgaben entbunden zu werden. Innenminister Thomas de Maizière habe dieser Bitte entsprochen. Über einen möglichen Nachfolger wurde zunächst nichts bekannt.

Das Bamf war in den vergangenen Wochen wiederholt kritisiert worden, weil die Asylverfahren nicht ausreichend beschleunigt wurden. Schmidts Behörde war es nicht gelungen, die Kapazitäten des Amtes zügig auszuweiten, obwohl die Bundesregierung das Bamf in den vergangenen Monaten wiederholt personell verstärkt hatte. Derzeit stauen sich in der Nürnberger Behörde mehr als 250.000 Asylanträge. Weitere erhebliche Aufstockungen sind geplant, auch durch Abordnungen vom Zoll und weiteren Behörden sowie durch die Reaktivierung von Beamten im Ruhestand.

Schmidts Behörde hatte Ende August ankündigt, das Dublin-Verfahren für Syrer aussetzen zu wollen. In der Folge machten sich Tausende Menschen über die sogenannte Balkanroute gen Deutschland auf – und Ungarn und Österreich ließen sie passieren. Das Bundesinnenministerium musste später klarstellen, dass Deutschland Dublin nicht ausgesetzt habe. Es handele sich lediglich um eine Leitlinie des Bundesamts, syrische Flüchtlinge nicht mehr in andere EU-Staaten zurückzuschicken, sagte ein Sprecher.

Ungeachtet aller Kritik und Missverständnisse äußerte Bundesinnenminister de Maizière sein Bedauern über die Entscheidung Schmidts, der seit 2010 an der Spitze des Bundesamts stand. Schmidt habe hervorragende Arbeit geleistet, erklärte der Minister. Auch aufgrund von Schmidts "außergewöhnlichem Einsatz" seien in der aktuellen Flüchtlingskrise für das Bamf "Personal, Stellen und Haushaltsmittel in großem Umfang bereitgestellt worden".

Der innenpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Volker Beck, hält Schmidts Rücktritt hingegen für ein "Eingeständnis an die Opposition, dass das Bamf der Lage nicht gewachsen ist und die Kritik an den schleppenden Personaleinstellungen ins Schwarze traf". Allerdings werde Schmidt "zum Bauernopfer, wenn sein Dienstherr, der Bundesinnenminister, daraus keine Konsequenzen zieht". Denn de Maizières Ministerium habe "diese Versäumnisse immer bestritten".

Der Geschäftsführer der Menschenrechtsorganisation Pro Asyl, Günter Burkhardt, bedauert den Rücktritt des Bamf-Chefs. "Schmidt ist eine hoch zu schätzende Persönlichkeit", sagte Burkhardt. "Die Gründe für die überlangen Asylverfahren liegen aus unserer Sicht nicht beim Bamf, sondern beim Bundesinnenministerium."