Wer am Donnerstag am Hamburger Hauptbahnhof aus der S-Bahn stieg, traf auf eine Menschentraube, die sich vor der Auskunft gesammelt hatte. Flüchtlinge auf der Durchreise. Ihr Ziel: Schweden.

Wie das? Überall ist doch zu lesen, Deutschland sei das gelobte Land aller Flüchtenden der Welt. Und die wollen hier weg? Ihre Antworten: Mein Vater lebt in Malmö. Mein Bruder ist schon dort. Ich will zu einem Freund.

Man hätte diese Menschen gerne Hans-Peter Friedrich vorgestellt. Der stellvertretende Vorsitzende der Unionsbundestagsfraktion, früherer Innenminister und CSU-Mitglied, hat die Entscheidung, Flüchtlinge aus Ungarn unkontrolliert und unregistriert ins Land zu lassen, "eine beispiellose politische Fehlleistung" der Bundesregierung genannt.

Ein Abgleich mit der Wirklichkeit täte Friedrich gut. Von den Flüchtlingen in Hamburg hätte er lernen können, dass sich Wanderungsbewegungen nicht nach bürokratischen Regelwerken richten. Menschen, die aus ihrer Heimat vertrieben werden, gehen dorthin, wo soziale Beziehungen bestehen und wo sie sich für ihr weiteres Leben das beste Auskommen erhoffen. Für viele ist das Deutschland, für manche Schweden, andere wollen nach Frankreich oder Großbritannien.

Die Idee, man könnte solche Wanderungsbewegungen durch strenge Grenzregime aufhalten, wie Friedrich es fordert, ist entweder naiv oder brutal.

Naiv war es, zu erwarten, die Flüchtlinge blieben in Budapest, nur weil keine Züge mehr fahren. Sie gingen einfach zu Fuß. Und wenn Ungarn kommende Woche seine Grenzen schließen wird, werden sie sich neue Wege suchen, etwa über Kroatien und Slowenien.

Die brutale Variante hat Europa ebenfalls schon ausprobiert: im Mittelmeer. Da ließ man Italien mit seiner Rettungsmission Mare Nostrum alleine, bis Rom aufgab. Tausende ertranken. Abertausende kamen trotzdem. Eine beispiellose politische Fehlleistung.

Doch seit im Frühjahr ein Flüchtlingsboot vor der libyschen Küste sank und Hunderte Menschen starben, retten dort wieder Schiffe der EU-Staaten Menschen aus Seenot. Sogar die britische Marine beteiligt sich, deren Regierung sich massiv gegen die Flüchtlingsbewegung wehrt. Hierzulande setzen sich Tausende Bürger für Flüchtlinge ein und sie taten das schon lange vor dem Ungarn-Wochenende. Abwehr, Abschottung gar, ist nicht die Antwort, die sie im Moment von der Politik erwarten.

Ungarn schickt Tausende Soldaten an die Grenze, um den Zaunbau zu beschleunigen.