Ungarns Premierminister Victor Orbán hat die Wiedereinführung von Grenzkontrollen in Deutschland gelobt. "Wir haben großes Verständnis für Deutschlands Entscheidung und erklären unsere volle Solidarität", sagte Orbán der Bild. "Wir verstehen, dass diese Entscheidung notwendig war, um die gewachsenen Werte Deutschlands und Europas zu verteidigen." 

Am späten Nachmittag hatte Innenminister Thomas de Maizière bekannt gegeben, dass es wegen der gestiegenen Flüchtlingszahlen wieder Kontrollen an der Grenze zu Österreich geben soll. Zudem stellte er klar, dass die Regeln des Dublin-Abkommens weiterhin gelten würden. Das besagt, dass Flüchtlinge in dem EU-Land Asyl beantragen müssen, das sie zuerst betreten haben.

CSU-Chef Horst Seehofer reagierte mit Genugtuung. Der bayerische Ministerpräsident stellte die Wende in der Flüchtlingspolitik als seinen Erfolg dar: Er habe der Bundeskanzlerin "am Samstag um 13.26 Uhr" die Bitte nach Grenzkontrollen übermittelt, sagte Seehofer nach einer Sondersitzung des bayerischen Kabinetts.

Dabei wiederholte er die Kritik an der Entscheidung von Bundeskanzlerin Angela Merkel vom vergangenen Wochenende, Flüchtlinge aus Ungarn aufzunehmen. Dies habe die Lage noch verkompliziert. "Es war jetzt nach acht Tagen einer zusätzlichen Völkerwanderung dringend notwendig, dieses Signal zu geben."

Unterstützung von der EU-Kommission

Unterstützung kommt auch von der EU. "Die heutige deutsche Entscheidung unterstreicht die Dringlichkeit der Einigung auf die Maßnahmen, die von der EU-Kommission zum Umgang mit der Flüchtlingskrise vorgeschlagen wurden", teilte die Kommission in Brüssel mit. Kommissionschef Jean-Claude Juncker habe mit Merkel telefoniert und sei über Einführung Grenzkontrollen informiert worden.

Die SPD-Linke kritisierte die Entscheidung der Bundesregierung. "Willkommensselfies der Kanzlerin mit Geflüchteten einerseits und die Wiedereinführung von Grenzkontrollen durch den Innenminister andererseits passen absolut nicht zusammen", sagte der Sprecher der SPD-Linken im Bundestag, Matthias Miersch. Lösungen könnten nur auf europäischer Ebene gefunden werden: "Wir brauchen jetzt schnell ein gemeinsames Vorgehen in Europa statt nationale Alleingänge."

Die EU-Innenminister werden sich wegen der Flüchtlingskrise am Montag in Brüssel zu einer Sondersitzung treffen. Sie wollen darüber verhandeln, wie die EU-Staaten die Lasten der Aufnahme von Flüchtlingen untereinander verteilen werden.

Gegenüber Spiegel Online kritisierte Grünen-Fraktionschefin Katrin Katrin Göring-Eckardt die wiedereingeführten Grenzkontrollen. So lenke die Bundesregierung von ihrem eigenen Versagen ab, sagte sie. "Sie hat viel zu lange versäumt, die Kommunen und Länder finanziell zu unterstützen, Unterkünfte bereitzustellen und die Verfahren zu beschleunigen."

Widerspruch kommt auch von der Linken. "Grenzen kann man schließen, aber die Probleme löst man damit nicht. Es wird höchste Zeit, so schnell und wirksam wie möglich die Fluchtursachen zu bekämpfen", sagte Fraktionschef Gregor Gysi. Der Linke-Vorsitzende Bernd Riexinger bescheinigte der Bundesregierung einen "unfassbaren Egoismus".