Die Bundesregierung hat Ungarn dazu aufgefordert, bessere Bedingungen für Flüchtlinge zu schaffen. "Wir erwarten, dass Ungarn die Flüchtlinge im eigenen Land registriert und entsprechend der europäischen Standards behandelt. Dabei können wir durchaus auch Hilfe leisten", sagte die Flüchtlingsbeauftragte der Bundesregierung, Aydan Özoğuz.  

Das eigentliche Problem seien die schlimmen Bedingungen für Flüchtlinge in manchen EU-Staaten, sodass die Migranten alles versuchten, um von dort wegzukommen. Der Nordwest-Zeitung sagte die SPD-Politikerin außerdem, Ungarn dürfe Flüchtlinge nicht ungehindert nach Deutschland durchreisen lassen.

Die geltende Dublin-Verordnung besagt, dass Flüchtlinge dort ihr Asylverfahren durchlaufen, wo sie zuerst europäischen Boden betreten. Ungarns Ministerpräsident Viktor Orbán hatte darauf hingewiesen, dass die meisten Flüchtlinge weiter nach Deutschland wollten. Er sprach von einem "deutschen Problem".

In Ungarn herrschten wegen der großen Zahl von Flüchtlingen zuletzt teilweise chaotische Zustände. In der Stadt Bicske wehrten sich am Abend etwa 500 Menschen gegen den Transport in ein Flüchtlingslager. Sie waren gehindert worden, mit dem Zug nach Westen weiterzureisen. In Budapest warten noch etwa 3.000 Menschen darauf, weiterreisen zu können. Hilfe durch ungarische Behörden gibt es kaum.  

Die EU-Außenminister kommen am Freitag in Luxemburg zusammen, um unter anderem über die dramatische Situation der Flüchtlinge zu beraten. Schwerpunkt der zweitägigen Gespräche soll die Situation in den Herkunfts- und Transitstaaten sein. Deutschland und Frankreich starteten kurz vor dem Treffen eine gemeinsame Initiative für verbindliche Aufnahmequoten in der EU. 

Osteuropäische Staaten mauern

Bisher war selbst eine freiwillige Verteilungsquote, wie sie im Mai von der EU beschlossen worden war, am Widerstand vor allem osteuropäischer Länder gescheitert. Am Freitag kommen in Prag die Regierungschefs von Polen, Tschechien, der Slowakei und Ungarn zusammen, um ihre Flüchtlingspolitik abzustimmen. Die Länder waren zuletzt scharfer Kritik ausgesetzt.

Mit der Quoten-Initiative haben Deutschland und Frankreich erstmals einen gemeinsamen Kurs in der Flüchtlingskrise vereinbart. Wirtschaftskraft und Größe eines Landes müssten beachtet werden, sagte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in der Schweiz. Deutschland habe in dieser Frage eine "Vielzahl von Verbündeten"

EU-Ratspräsident Donald Tusk sprach sich dafür aus, mehr Flüchtlinge umzuverteilen als bislang vorgesehen. "Was wir brauchen, ist eine faire Verteilung von mindestens 100.000 Flüchtlingen unter den Mitgliedstaaten", sagte er. Am 14. September kommen die Innen- und Justizminister der 28 EU-Staaten zu einem Sondertreffen zusammen, um über den Verteilungsstreit zu beraten. Als zuständige Institution will bis dahin auch die EU-Kommission neue Vorschläge zur Verteilung von Flüchtlingen vorlegen.