Die Grünen haben erstmals eine finanzielle Entschädigung an Opfer sexuellen Missbrauchs beschlossen. An drei Betroffene werde "eine Zahlung in Anerkennung des ihnen zugefügten schweren Leides" geleistet, teilte Parteichefin Simone Peter mit. 

Es gehe um Fälle langjährigen sexuellen Missbrauchs Anfang der achtziger Jahre in der Emmaus-Gemeinschaft auf dem Dachsberg in Kamp-Lintfort. Nach Aussagen von Opfern soll daran ein inzwischen verstorbenes Vorstandsmitglied der NRW-Grünen maßgeblich beteiligt gewesen sein.

In den konkreten Fällen gebe es "eine institutionelle Mitverantwortung der grünen Partei, der wir uns stellen", sagte Peter. Die Entscheidung über die Zahlungen habe der Bundesvorstand auf Empfehlung des Anhörungsbeirats getroffen, in Absprache mit dem geschäftsführenden Landesvorstand Nordrhein-Westfalen. Über die Einzelheiten sei den Betroffenen Vertraulichkeit zugesichert worden. Die Höhe der als "Anerkennungszahlungen" bezeichneten Entschädigungen wurde zunächst nicht bekannt.

"Wir bedauern zutiefst, dass die grüne Partei in ihren Anfangsjahren pädosexuellen Aktivisten und ihren Positionen Raum gelassen hat", sagte Peter. Betroffene, denen Leid angetan worden sei oder die sich durch die Debatten dieser Zeit verhöhnt fühlen, würden noch einmal nachdrücklich um Entschuldigung gebeten.

Neue Erkenntnisse durch Befragung von Opfern

Im Jahr 2013 waren Pädophilie-Vorwürfe gegen Parteimitglieder aus der Gründungszeit aufgekommen, daraufhin hatten die Grünen mit der Aufarbeitung begonnen. 2014 hatten sie ihre Pädophilie-Beschlüsse offengelegt, sich davon distanziert und bei den Opfern entschuldigt. Sie hatten pädophile Vorfälle in den eigenen Reihen bereits im vergangenen November durch ein Gutachten des Instituts für Demokratieforschung Göttingen aufarbeiten lassen. 

Im Fall der Emmaus-Gemeinschaft seien in den vergangenen Wochen zusätzlich die Betroffenen angehört worden. Peters sagte, das habe "vertiefte Erkenntnisse" ergeben.

"Mit der heutigen Entscheidung setzen wir die notwendige Aufarbeitung unserer Parteigeschichte fort", sagte die Parteichefin. Die Grünen wollten Betroffene weiter ermuntern, auf sie zuzukommen und ihre Geschichte zu erzählen. Die eingerichtete telefonische Anlaufstelle und der Anhörungsbeirat setzten ihre Arbeit fort.