ZEIT ONLINE: Die Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, fordert, dass der Bund sich strukturell an den Kosten für die Flüchtlinge beteiligt. Unterstützen Sie das?

Klöckner: Ich unterstütze Angela Merkel, die substantiell mehr Geld zugesagt hat. In Rheinland-Pfalz muss aber vor allem die Landesregierung liefern. Sie gibt das Geld nicht zügig genug und nicht komplett an die Kommunen weiter. Im Saarland und in Bayern wird spitz abgerechnet, das heißt die Kommunen erhalten vom Land ihre Auslagen zeitnah erstattet, und zwar nicht erst ein halbes Jahr später. Das sollte überall so sein.

ZEIT ONLINE: Brauchen wir Gesetzesänderungen, um Flüchtlinge schneller in den Arbeitsmarkt zu integrieren?

Klöckner: Das ist nicht in erster Linie eine Frage von weiteren Gesetzesänderungen, sondern von organisatorischen Veränderungen. Wir sollten in allen Bundesländern schon in der Erstaufnahme den Beruf der Flüchtlinge erfassen und wir brauchen überall Deutschlern- und Vorlaufklassen an den Schulen. Kinder und Erwachsene, die zum Beispiel nicht alphabetisiert sind, gehen unter, wenn sie von Beginn an in eine normale Klasse kommen. Statt eines solchen Kaltstarts brauchen wir eine Aufwärmphase, um auch die Fähigkeiten und danach die passende Schule rauszufinden. Das gilt auch für Menschen, die traumatisiert sind, sie muss man besonders begleiten, nicht einfach in eine Klasse stecken und hoffen, dass das schon wird.

Migration - Braucht Deutschland ein Einwanderungsgesetz? Laut OECD ist Deutschland das zweitbeliebteste Einwanderungsland weltweit. Und doch gibt es kein Einwanderungsgesetz. Seit Anfang des Jahres debattieren die Regierungsparteien darüber, ob Deutschland solch ein Gesetz braucht.