Der unerwartet stark gestiegene Zahl der Flüchtlinge in München bringt Einsatzkräfte und Helfer unter Druck. "Es wird eng", sagte der Regierungspräsident von Oberbayern, Christoph Hillenbrand, mit Blick auf die vorhandenen Plätze, an denen die Menschen versorgt und vorübergehend untergebracht werden können. Die Behörden zeigten sich am Sonntagabend überrascht von der hohen Zahl der anreisenden Flüchtlinge. Bis zum Ende des Tages dürften insgesamt rund 11.000 Menschen in München eintreffen, sagte Hillenbrand, der Einsatzkräfte und Helfer vor Ort koordiniert. Ursprünglich waren etwa 7.000 – genau so viele wie am Samstag – erwartet worden. Übers Wochenende kamen knapp 18.000 Flüchtlinge in München an.

In den Messehallen sei die Zahl der Betten von zuletzt 2.300 um weitere 1.000 aufgestockt worden, sagte Hillenbrand. Dort gebe es außerdem Sitzplätze. Zudem seien im leerstehenden Verwaltungsgebäude eines Autohauses 500 zusätzliche Plätze zum Übernachten eingerichtet worden. Die Bahn prüfe, ob Flüchtlinge in einem Zug am Bahnhof schlafen könnten. "Wir haben sicher noch Möglichkeiten, weitere Quartiere im Tausenderbereich zu akquirieren." 

In München sollen die Flüchtlinge erst betreut und in andere Bundesländer weiter geschickt werden. Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) forderte nun mehr Unterstützung von anderen Bundesländern. "Was wir jetzt brauchen, ist eine uneingeschränkte Solidarität", sagte er. Die Verteilung der Menschen sei noch nicht ausreichend koordiniert.  

Hilfe in Saalfeld, Rechtsextreme in Dortmund

Bereits am Samstagabend trafen im thüringischen Saalfeld 569 Flüchtlinge ein. Ebenfalls am Samstagabend erreichte ein Zug mit etwa 1.000 Menschen Dortmund. 175 Flüchtlinge wurden nach Angaben des NDR in Hamburg aufgenommen.

Die Hilfsbereitschaft der Menschen ist vielerorts ungebrochen. In München wurden die Neuankömmlinge mit Applaus, Lebensmitteln und kleinen Geschenken begrüßt. In Saalfeld kam Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) persönlich zum Bahnhof, um die Flüchtlinge willkommen zu heißen. In Dortmund hingegen demonstrierten nach Angaben der Polizei rund 30 Rechtsextreme am Bahnhof gegen die Ankunft von Flüchtlingen. Bei Auseinandersetzungen mit mehreren Hundert Linksextremisten, die gegen den Aufmarsch der Rechten protestierten, wurden fünf Menschen verletzt.   

Weniger Flüchtlinge kommen über Ungarn

In Berlin werden laut Gesundheitssenator Mario Czaja (CDU) am Sonntagabend sieben Busse mit insgesamt 350 Menschen erwartet. Über die Verteilung der Flüchtlinge auf andere Bundesländern gibt es noch keine bestätigten Zahlen. Ausschlaggebend dafür ist der sogenannte Königssteiner Schlüssel. Dieser berücksichtigt die Steuereinnahmen und die Bevölkerungszahl der jeweiligen Länder. Baden-Württemberg kündigte an, mindestens 1.300 neuer Flüchtlinge aufnehmen zu wollen. Hessen rechnet mit bis zu 700 Neuankömmlingen.

Im Vergleich zu den Vortagen wollten am Sonntagabend deutlich weniger Menschen über Ungarn einreisen, teilten die ÖBB mit. Die Sonderzüge zum Transport der Migranten sollen daher eingestellt werden. Nach Angaben einer Sprecherin der ÖBB werden am Sonntag nur noch rund 3.000 Migranten Österreich durchqueren. Daher plane man, zum normalen Zugverkehr zurückzukehren.