Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) bildet ihr Kabinett um. Familienministerin Ute Schäfer, Arbeitsminister Guntram Schneider und Europaministerin Angelica Schwall-Düren (alle SPD) geben ihre Ämter zum 1. Oktober "aus persönlichen Gründen" ab, sagte Kraft. 

Die SPD-Bundestagsabgeordnete Christina Kampmann soll Schäfer als Familienministerin ersetzen. Der Vizevorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Rainer Schmeltzer, folgt Guntram Schneider als Arbeitsminister. Der Chef der Staatskanzlei, Franz-Josef Lersch-Mense (SPD), übernimmt zusätzlich das Ministerium für Bundes- und Europaangelegenheiten von Angelica Schwall-Düren.

Die 67-jährige Schwall-Düren, der 64 Jahre alte Schneider und die 61-jährige Schäfer begründeten ihr Ausscheiden vor Journalisten unter anderem mit dem Wunsch, sich neuen Aufgaben zu widmen oder ihre Ämter in jüngere Hände zu legen. Ein deutlicher Generationenwechsel vollzieht sich etwa im NRW-Ministerium für Familie, Kinder, Jugend und Sport: Schäfers Nachfolgerin Kampmann gilt als vielversprechende SPD-Nachwuchspolitikerin: Die 35-jährige Diplom-Verwaltungswirtin, von 2009 bis 2011 Standesbeamtin in Bielefeld, gehörte zuletzt dem Innenausschuss und dem Ausschuss Digitale Agenda des Bundestags an.

Das NRW-Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales übernimmt mit dem 54-jährigen Schmeltzer der bisherige Vize-Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion. Schmeltzer gehört seit mehr als 15 Jahren dem Düsseldorfer Landesparlament an und arbeitete zuvor als Sekretär bei der damaligen Gewerkschaft ÖTV. Der 63-jährige Lersch-Mense, künftiger NRW-Minister für Europa, Bundesangelegenheiten und Medien, ist seit gut fünf Jahren Leiter der Düsseldorfer Staatskanzlei.

Kritik an den Personalentscheidungen Krafts kam von der Opposition. CDU-Fraktionschef Armin Laschet nannte die neuen Minister "das letzte Aufgebot der SPD". Ausgerechnet in dem Moment, in dem angesichts von Hunderttausenden Flüchtlingen die Integration das Schlüsselthema der Landespolitik werde, berufe Kraft einen SPD-Parteisoldaten zum Integrationsminister, der zu dem Thema bisher keinen einzigen Impuls geliefert habe.

Der Austausch von drei Ministern löse nicht die Probleme der Landesregierung, kritisierte FDP-Fraktionschef Christian Lindner. "Das war weder ein Befreiungsschlag noch ein neuer Aufbruch. Die Personalien sind so aufregend wie eingeschlafene Füße."

Kraft hatte nach der Landtagswahl 2010 eine rot-grüne Regierung ohne eigene Mehrheit im Landtag gebildet. Erst seit der Landtagswahl 2012 gibt es eine rot-grüne Mehrheit im Parlament. Nach einer aktuellen Umfrage käme Rot-Grün nicht auf eine Mehrheit, wenn der Landtag jetzt gewählt würde.