Bis zu 700 Asylbewerber hätten hier nach Auskunft der Landesdirektion unterkommen können: Eine Halle der Firma MB-Portatec im sächsischen Großröhrsdorf sollte in diesen Tagen zur Erstunterkunft umgebaut werden. Viele im Ort wehrten sich dagegen. Für Mittwochabend ist eine Einwohnerversammlung geplant, für Donnerstag eine Demonstration vor der Halle. Selbst der Pfarrer und die Bürgermeisterin waren mit der neuen Unterkunft nicht einverstanden. Nun hat die Firma, der das Gebäude gehört, ihr Angebot zurückgezogen. Ein Anruf beim Geschäftsführer Dietmar Metzner.

ZEIT ONLINE: Herr Metzner, warum haben Sie Ihr Angebot zurückgezogen, dem Freistaat Sachsen eine leer stehende Halle als Erstaufnahmestelle für Flüchtlinge zu vermieten?

Dietmar Metzner: Die Entwicklung der letzten Tage hat zu diesem Entschluss geführt. Wir müssen feststellen, dass wir die Verantwortung für die Firma und den Standort Großröhrsdorf nicht tragen können.

ZEIT ONLINE: Was wären Ihre Sorgen gewesen, wenn in die Halle Asylbewerber eingezogen wären?

Metzner: Wir konnten nicht beurteilen, was passieren könnte. Es bestand die Gefahr, dass Dinge geschehen, die nicht zu verantworten wären. Das hat uns zum Rückzug veranlasst – unter Berücksichtigung der Reaktionen, die es in den vergangenen Tagen gab.

ZEIT ONLINE: Hatten Sie Angst vor Protest, wurden Sie bedroht? Oder haben Sie sich aus eigenem Antrieb entschieden?

Metzner: Ich habe das Angebot aus eigenem Antrieb zurückgezogen. Aus Verantwortung für die Firma und für den Standort.   

ZEIT ONLINE: Haben die ablehnenden Reaktionen von Bürgermeisterin, Stadtrat und Pfarrer, die ja öffentlich nachzulesen sind, Ihren Rückzug bewirkt?

Metzner: Viele Entwicklungen der vergangenen Tage haben den Entschluss beeinflusst.  

ZEIT ONLINE: Was hat Sie überhaupt bewogen, die Halle dem Freistaat anzubieten und an wen haben Sie sich gewandt?

Metzner: Wir versuchen seit Monaten, die leer stehende Halle zu vermarkten und einen Investor zu finden, der sie für sich nutzen kann.

ZEIT ONLINE: Wie kamen Sie darauf, die Halle der Landesregierung anzubieten?

Metzner: Wir haben das Angebot sehr breit gestreut, unter anderem auch bei allen Fördergeldgebern des Freistaates.

ZEIT ONLINE: Haben Sie die Halle auch gezielt als Flüchtlingsunterkunft angeboten?

Metzner: Ja. Aber das war schon vor mehreren Wochen, lange bevor die Flüchtlingszahlen so stark anstiegen.

ZEIT ONLINE: Was passierte denn gerade in der Halle? Lief die Einrichtung der Unterkunft schon?

Metzner: Man hatte heute mit den Arbeiten begonnen.

ZEIT ONLINE: Und Sie haben die dann gestoppt?

Metzner: Ich habe mitgeteilt, dass ich den Mietvertrag nicht unterschreibe. Die Arbeiten zu stoppen, war nicht meine Aufgabe.

ZEIT ONLINE: Haben Sie Bedenken, dass ihr Entschluss bei den Gegnern der Erstaufnahmestelle den Eindruck vermittelt, ihr Protest hätte Erfolg?

Metzner: Den Eindruck möchte ich auf jeden Fall vermeiden. Die Entscheidung ist nicht aus dem Protest heraus gefallen, sondern aus Verantwortung für die Entwicklung insgesamt. Indem ich einen Mietvertrag unterschreibe, übernehme ich Verantwortung für Entwicklungen, die daraus resultieren. Und diese Verantwortung konnte ich nicht tragen.