Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) hat die Vorwürfe, sie habe in ihrer Doktorarbeit bei anderen Autoren abgeschrieben, zurückgewiesen. "Den Vorwurf des Plagiats kann ich zurückweisen", sagte die CDU-Politikerin der Funke Mediengruppe. Sie wisse seit Ende August, dass ihre Doktorarbeit ins Visier genommen worden sei. Noch am selben Tag habe sie ihre alte Universität gebeten, ihre Dissertation durch eine fachkundige und neutrale Ombudsstelle überprüfen zu lassen. "Soweit ich weiß, sind die Experten bei der Arbeit." Erste interne Ergebnisse werden für die nächsten Tage erwartet. Über die Vorwürfe sagte von der Leyen weiter: "Es ist nicht neu, dass Aktivisten im Internet versuchen, Zweifel an Dissertationen von Politikern zu streuen."

Von der Leyen erlangte den Doktorgrad über eine Arbeit zur Frauenheilkunde 1991 an der Medizinischen Hochschule Hannover. Die Internetplattform VroniPlag wirft der Verteidigungsministerin vor, bei ihrer medizinischen Doktorarbeit Grundregeln wissenschaftlichen Arbeitens missachtet und an einigen Stellen Passagen anderer Autoren übernommen zu haben, ohne diese kenntlich zu machen. Die Arbeit enthalte "zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind". Man habe auf 27 von 62 Seiten Plagiatsfundstellen dokumentiert, heißt es auf VroniPlag. Das entspräche einem Anteil von 43,5 Prozent aller Seiten. Drei Seiten enthielten bis zu 75 Prozent Fremdübernahmen und fünf Seiten mehr als 75 Prozent Plagiatstext.

Der Juraprofessor Gerhard Dannemann von der Berliner Humboldt-Universität, der bei VroniPlag Dissertationen untersucht, sagte, die Arbeit sei "ein eher mittelschwerer als ein schwerer Fall". Von der Leyens Abschlussarbeit ist die erste medizinische Dissertation einer prominenten Spitzenpolitikerin, die untersucht wird. 

Der forschungspolitische Sprecher der Grünen, Kai Gehring, forderte eine sorgfältige und zügige Prüfung durch die Universität Hannover. Von der Leyen sei auch oberste Dienstherrin der Bundeswehr-Universitäten, "daraus erwächst eine ganz besondere Verantwortung".