All das ist natürlich antidemokratisch und steht im Widerspruch zu den Werten des Grundgesetzes – aber es ist eben nicht neonazistisch. Diese moderne Form des Rechtsextremismus wird von Politikwissenschaftlern und Verfassungsschützern als Neue Rechte bezeichnet.

Positionen, wie Höcke sie vertritt, finden sich seit vielen Jahren in der Wochenzeitung Junge Freiheit. Einer der wichtigsten Vertreter der Neuen Rechten in Deutschland heißt Götz Kubitschek. Auf einem Rittergut in Sachsen-Anhalt betreibt er einen Verlag und ist Gründer eines sogenannten Instituts für Staatspolitik. Im vergangenen Dezember traf sich Höcke mit seiner AfD-Landtagsfraktion just dort zu einer Klausurtagung. Doch der Begriff Neue Rechte klingt relativ harmlos, und deren ideologische Inhalte sind in Öffentlichkeit, Medien und politischen Debatten nicht präsent. Weil die Verbrechen Hitler­deutschlands alles überstrahlen, werden andere völkische Strömungen in der Geschichte und deren Wiedergänger häufig übersehen.

Hinhören und reagieren ist wichtig

Björn Höcke geißelt in seinen Reden gern das "Altparteienkartell" und meint dabei offenbar alle Kräfte von Linkspartei bis CSU. Diese würden, meint er, Deutschland "aufweichen wie ein Stück Seife unter einem Strahl lauwarmen Wassers". Ihn hingegen bewege "große Sorge" und "tiefe Liebe zu meinem Land". Er sieht sich und seine Partei auf einer "Mission" und spricht ständig in einem Pathos, das für heutige Ohren ein bisschen altmodisch und absonderlich klingt.

So auch am Sonntagabend in der Jauch-Sendung, wo Höcke oft unverständiges, manchmal mokantes Kopfschütteln erntete. Ganz zum Schluss, die Sendezeit lief aus, wurden die Wortwechsel noch einmal besonders hektisch. Höcke sagte etwas, das kaum zu verstehen war, und der neben ihm sitzende Bundesjustizminister Heiko Maas sagte, zu Jauch gewandt: "Is egal, lassen Sie ihn."

Das Gegenteil aber – also genau hinhören und detailliert reagieren – wäre richtig.