Die Arbeitslosenquote wird nach Einschätzung von Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) durch den Zuzug der Flüchtlinge zunächst steigen. Die berufliche Integration der Flüchtlinge brauche Zeit. "Wir kriegen das hin, aber nicht über Nacht", sagte die SPD-Politikerin der Passauer Neuen Presse. "Für gut qualifizierte Flüchtlinge wird es wie ein Mittelstreckenlauf sein, für alle anderen eher ein Marathon."

Zugleich werde die Arbeitslosenquote für Einheimische jedoch weiter zurückgehen. Rund um die Flüchtlingshilfe entstünden bereits "viele Tausende" neue Jobs, sagte Nahles. Vor allem im Wohnungsbau, im Catering, bei den Sicherheitsdiensten und der Betreuung würden Mitarbeiter gebraucht.

Der Arzt aus Syrien sei nicht der Regelfall, sagte Nahles. "Wir sollten nicht denken, dass wir jeden ohne größere Anstrengungen gleich integrieren können. Es wird länger dauern, als uns lieb ist." Bis alle die deutsche Sprache so beherrschen, dass sie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen können, werde viel Zeit vergehen, sagte Nahles.

Die Arbeitsministerin rechnet zudem mit deutlich höheren Kosten für Hartz IV. Schätzungen zufolge würden im kommenden Jahr bis zu 460.000 Flüchtlinge zusätzlich Hartz-IV-Leistungen beantragen. "Wir gehen davon aus, dass sich die Kosten auf 1,8 bis 3,3 Milliarden Euro belaufen werden, für Lebensunterhaltsleistungen und die Arbeitsmarktförderung", sagte die SPD-Politikerin.

Der Präsident des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Marcel Fratzscher, schlug einen Flüchtlingsgipfel von Politik und Wirtschaft vor. Ohne die Unterstützung der Unternehmen und ihrer Spitzenvertreter werde die Integration scheitern, sagte er der Neuen Osnabrücker Zeitung. "Der Staat kann die Flüchtlinge materiell unterstützen, kann ihnen helfen bei Sprachkursen, sie begleiten bei der Integration." Aber letztlich spiele die Wirtschaft eine zentrale Rolle.

Flüchtlinge sollen Fachkräftemangel ausgleichen

Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) sieht gute Jobchancen für Asylbewerber in der Gastronomie und in der Lebensmittelindustrie. Junge Flüchtlinge müssten als Voraussetzung aber schnell Sprachkenntnisse erwerben, sagte der nordrhein-westfälische NGG-Landesvorsitzende Thomas Gauger. "In der Gastronomie werden Fachkräfte gesucht", sagte er. Freie Ausbildungsstellen gebe es auch in der Lebensmittel- und Süßwarenindustrie. Chancen hätten interessierte Flüchtlinge zudem im Bäckereihandwerk.

Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) will Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen gezielt für die Gesundheitsversorgung der Asylbewerber einsetzen. "Schon aufgrund ihrer Sprachkenntnisse können Flüchtlinge mit medizinischen Kenntnissen bei der Versorgung in Erstaufnahmeeinrichtungen eine wichtige Hilfe sein", sagte er der Rheinischen Post. Deshalb müsse es medizinischen Helfern ermöglicht werden, deutsche Ärzte in den Aufnahmeeinrichtungen zu unterstützen. "Sie sind dann nicht als Ärzte tätig, aber an der Seite der Ärzte."