Bundeskanzlerin Angela Merkel hat eine schnellere Abschiebung abgelehnter Asysuchender angekündigt. Die Registrierung und Antragsbearbeitung der Flüchtlinge laufe momentan "alles andere als perfekt", sagte Merkel bei einem Treffen mit Bürgern in Nürnberg. Vor allem die hohe Verweildauer der Menschen in den Erstaufnahmelagern sei nicht hinnehmbar.

Merkels Auftritt in Nürnberg war der vierte und letzte in einer Reihe von Bürgerdialogen zum Thema "Gut leben in Deutschland". Gut 60 Bürger sollten zwei Stunden lang mit der Kanzlerin diskutieren. Die Bundesregierung hatte die Veranstaltungsreihe ins Leben gerufen, um mit Bürgern über Lebensqualität in Deutschland zu sprechen. Wie schon auf den vorigen Bürgerdialogen war die Flüchtlingskrise das Thema, das die Bürger am meisten interessierte.

Im Juli hatte Merkel auf einer Veranstaltung der Reihe durch ihren Umgang mit einem Mädchen für Aufsehen gesorgt, das trotz langen Aufenthalts und guter Bildung wohl abgeschoben werden sollte. Seit dem Auftritt aber hat Merkel mit ihrer offenen Flüchtlingspolitik in Deutschland und Europa für polarisierte Reaktionen gesorgt. Gleichzeitig war in der Bevölkerung, vor allem aber auch in der Union der Rückhalt für Merkels Flüchtlingspolitik zurückgegangen. Grundsätzlich andere Positionen als im Juli vertrat Merkel zum Ende der Gesprächsreihe nicht, setzte den Schwerpunkt ihrer Äußerungen aber stärker auf die Abschiebung abgelehnter Asylsuchender als noch im Sommer.   

Die Bundesregierung habe die Voraussetzungen geschaffen, Menschen mit geringen Aussichten auf Asyl, schneller abzuschieben. Jetzt sei es wichtig, diesen Menschen nicht nur zu sagen, dass sie ausreisen müssen, sondern die Abschiebung dann auch durchzuführen. "Da müssen wir viel strenger sein", sagte Merkel. Nur dann könne Deutschland denen, "die wirklich unseren Schutz brauchen" diesen Schutz auch gewähren. In den vergangenen Jahren seien lediglich 15 Prozent der abgelehnten Bewerber konsequent in ihre Heimatländer zurückgeführt worden. Die, die bleiben dürften müssten aber auch schneller integriert werden.

Neben einer konsequenteren Anwendung der jüngsten Verschärfungen des Asylrechts forderte Merkel die Deutschen auf, den Kontakt zu den Flüchtlingen zu suchen, um Verständnis auf beiden Seiten zu schaffen. "Wir müssen alles daran setzen, die Mitte, die Deutschland so stark macht und die auch tolerant ist, zu erhalten", sagte Merkel. Sie plädiere deswegen für "möglichst viele Begegnungen", um keine Vorurteile aufkommen zu lassen.

Sie verstehe angesichts der hohen Flüchtlingszahlen und damit verbundenen Ängsten bei vielen Menschen die Sorge, dass die gesellschaftliche Mitte in Deutschland verloren gehen könne, sagte die Kanzlerin angesprochen auf radikale Asylgegner wie die Pegida-Bewegung. Dagegen müsse mit "aller Macht" gearbeitet werden. Es müsse über Risiken ebenso wie über die Chancen der hohen Flüchtlingszahlen geredet werden.

Merkel sagte aber auch unter Verweis auf das Grundgesetz und in Deutschland geltende Werte, den Zufluchtsuchenden solle vom ersten Tag an deutlich gemacht werden "ihr seid willkommen, aber das ist an Regeln gebunden". Ansonsten gebe es "böses Blut", wenn nicht gleiches Recht für alle gelte.