Die Deutsche Bank hat die Flüchtlingspolitik von Bundeskanzlerin Angela Merkel verteidigt. "Mit ihrem Bekenntnis zur Zuwanderung könnte Angela Merkel einer der großen Staatsführer werden, die Deutschland weit über die eigene Generation hinaus verändert haben", schreibt Chefvolkswirt David Folkerts-Landau in der ZEIT. Deutschland könne auf diesem Wege langfristig wieder zu einem "wissenschaftlichen und kulturellen Zentrum" werden.

In der Zuwanderung sieht Folkerts-Landau das entscheidende Instrument gegen die Folgen des demografischen Wandels. "Wenn sich nichts ändert, erwartet uns eine Zukunft mit weniger Arbeitskräften und mickrigen Wachstumsraten", schreibt der Chefvolkswirt. Durch die Veränderung der Altersstrukturen würden ältere Generationen an politischem Einfluss gewinnen. Dadurch würde Deutschland zu einem "statischen, risikoscheuen und in sich gekehrten Land" werden, schreibt Folkerts-Landau. "Besitzstände zu wahren wird wichtiger sein als Neues zu schaffen."

Um die Integration der Flüchtlinge zu erleichtern und die kurzfristigen Kosten in den Griff zu bekommen, müssten aber einige der Regeln am Arbeitsmarkt und der sozialen Sicherung überprüft werden, fordert der Ökonom. Zuwanderer würden Sozialleistungen in Anspruch nehmen, ohne gleich entsprechend Steuern zu bezahlen. Auch würden sie den Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt verschärfen. Langfristig überwögen aber die Vorteile.

Merkel ist wegen ihrer Haltung in der Flüchtlingskrise unter Druck. Trotz wachsender Kritik in der Unions-Bundestagsfraktion will sie an ihrem Kurs festhalten. Nach Angaben von Teilnehmern sprach sich die CDU-Vorsitzende in der Fraktionssitzung am Dienstag zwar für Transitzonen an der deutschen Grenze aus. Gleichzeitig lehnte sie die von mehreren Unions-Abgeordneten geforderte Zurückweisung der Flüchtlinge aus Österreich aber entschieden ab.

Wenn Deutschland als größtes EU-Land damit beginne, habe dies verheerende Folgen für alle Länder auf der Balkan-Route, warnte Merkel nach Angaben von Teilnehmern. Auch Österreich und Ungarn müssten dann Flüchtlinge zurückweisen. Die EU habe sich aber gerade erst bemüht, die auf der Route davor liegenden Länder Serbien und Mazedonien zu stabilisieren. Merkel will sich am Wochenende bei ihrem Besuch in der Türkei für ein Abkommen einsetzen, das zu einer Senkung der Flüchtlingszahlen führen soll.