Der Untersuchungsausschuss des Bundestags zur Edathy-Affäre übt in seinem Abschlussbericht Kritik an der Generalstaatsanwaltschaft in Celle, die im Fall ermittelt hatte. Aber auch an der SPD-Spitze. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa heißt es in dem Bericht, Celle habe "unangemessen zögerlich" agiert. Der mehr als 1.200 Seiten starke Abschlussbericht soll demnächst veröffentlicht werden. Gerade angesichts der verdächtig häufigen Nachfragen von Sebastian Edathys Anwalt bei verschiedenen Staatsanwaltschaften hätten die Ermittlungen schneller vorangetrieben werden müssen.

Die Spitze der SPD-Bundestagsfraktion kommt dagegen mit milder Kritik davon. "Die Kommunikation zum Fall Edathy innerhalb der Spitze der SPD-Bundestagsfraktion wurde inhaltlich verantwortlich geführt", heißt es in der Bewertung des von Eva Högl (SPD) geleiteten Ausschusses. 

Zur Rolle des SPD-Abgeordneten Michael Hartmann, der Edathy laut dessen Aussage mehrfach geheime Informationen über die laufenden Ermittlungen geliefert hatte, äußert der Ausschuss vorsichtige Kritik. Die Vermutung, dass Hartmann Edathy drei Monate vor der Hausdurchsuchung gewarnt habe, "wurde durch die Beweisaufnahme des Ausschusses an vielen Stellen genährt, ohne dass jedoch hierfür ein zureichender Beleg vorliegt", heißt es im Bericht.

Opposition kritisiert "begrenzten Aufklärungswillen"

Linke und Grüne schließen sich der Bewertung der Koalitionsparteien laut dpa ausdrücklich nicht an. In einem gemeinsamen Sondervotum bescheinigen die Obleute Irene Mihalic (Grüne) und Frank Tempel (Linke) den Ausschussmitgliedern von SPD und Union einen "von Koalitionsdiplomatie begrenzten Aufklärungswillen". Das Verhalten der SPD-Bundestagsfraktion nähre die Vermutung, "dass der Abgeordnete Hartmann in der Edathy-Affäre Wissen hat, das der SPD und dort insbesondere dem Fraktionsvorsitzenden (Thomas) Oppermann schaden könnte."

Hartmann hatte im Ausschuss anfangs noch ausgesagt, dann aber unter Berufung auf sein Auskunftsverweigerungsrecht geschwiegen. Er war dann länger krankgeschrieben. Inzwischen ist er zurück im Bundestag.

Sebastian Edathy hatte im Februar 2014 sein Mandat niedergelegt. Ein Verfahren gegen ihn wegen des Verdachts des Besitzes von Kinderpornografie wurde später gegen Zahlung einer Geldauflage eingestellt.