Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat zu Geduld in der Flüchtlingskrise aufgerufen. "Wir können den Schalter nicht mit einem Mal umdrehen", sagte sie bei einer Pressekonferenz in Berlin. Vielmehr gelte es, Schritt für Schritt vorzugehen, sagte sie weiter, ohne namentlich auf CSU-Chef Horst Seehofer einzugehen. Der bayerische Ministerpräsident hatte zur Eile gedrängt und ultimativ ein Umsteuern bis zu diesem Sonntag verlangt.

Merkel sagte, in Deutschland müssten jetzt die Möglichkeiten des gerade beschlossenen Pakets zur Verschärfung des Asylrechts genutzt werden. Sie sei überzeugt, dass sich die Zahl der Flüchtlinge "nur im Ergebnis unseres gemeinsamen Handelns" zwischen der Türkei, Griechenland und der EU verringern lasse. Hierfür sei der kommende Sonntag wegen der Wahl in der Türkei ein wichtiges Datum.

Wie Süddeutsche Zeitung und Reuters unter Berufung auf Regierungskreise berichten, treffen sich am Wochenende die Parteichefs von CDU, CSU und SPD – also neben Merkel und Seehofer auch Sigmar Gabriel – um über die Bewältigung des Flüchtlingsandrangs zu beraten. Laut SZ wollen Seehofer und Merkel am Samstag zusammenkommen, am Sonntag folge dann ein Treffen der beiden mit dem SPD-Vorsitzenden. Hintergrund ist die sich verschärfende Flüchtlingssituation an der österreichisch-bayerischen Grenze: Am Wochenende waren mehr als 10.000 Flüchtlinge über Österreich nach Bayern gekommen.

Merkel betonte, die Bundesregierung stehe mit der österreichischen Regierung seit dem Frühsommer in konstanten Kontakten auf allen Ebenen. "Diese Kontakte haben heute schon wieder stattgefunden, die werden morgen stattfinden, übermorgen stattfinden." Dies sei "die Normalität unseres Handelns".

Seehofer hatte Merkel in einem Interview mit der Passauer Neuen Presse aufgefordert, angesichts der Einwanderung von Flüchtlingen über Österreich umgehend mit der dortigen Regierung zu sprechen. "Sie hat ja mit dem österreichischen Bundeskanzler Werner Faymann am 4. September eine Entscheidung getroffen, die die Politik der offenen Grenzen eingeleitet hat. Das kann und muss die Bundeskanzlerin beenden." In den vergangenen Wochen hatte Seehofer schon mehrfach mit "Notwehrmaßnahmen" und sogar einer Verfassungsklage gedroht.

Wie das Video zeigt, haben auch am Dienstagabend erneut Flüchtlinge an der Grenze zu Österreich auf den Übergang nach Deutschland gewartet.