Die Bundesrepublik will ihre Grenzen noch bis mindestens Anfang November kontrollieren. Darüber habe Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) EU-Innenkommissar Dimitris Avramopoulos schriftlich informiert, berichtet Spiegel Online. Demnach will de Maizière die Mitte September eingeführten Kontrollen wegen des "weiterhin ungesteuerten immensen und nahezu ungebrochenen Zustroms von Drittstaatsangehörigen" vorerst um weitere 20 Tage bis zum 1. November verlängern. Dabei geht es vor allem um die Grenze zu Österreich.

Unterdessen ist der Streit um die Schaffung von Transitzonen in der schwarz-roten Koalition noch nicht entschieden. CSU-Chef Horst Seehofer geht zwar davon aus, dass die Entscheidung schon bald getroffen sein wird und auch Kanzlerin Angela Merkel hat sich für die Einführung ausgesprochen. Doch ihrer Ansicht nach werden Transitzonen das Problem steigender Flüchtlingszahlen nicht lösen. "Das wird nicht für Tausende und Abertausende von Flüchtlinge helfen", sagte die Kanzlerin bei einer CDU-Veranstaltung im niedersächsischen Stade.

Aus Transitzonen sollen Asylbewerber ohne Erfolgsaussichten oder ohne Papiere an den Grenzen angehalten und innerhalb kurzer Zeit zurückgeschickt werden können. Unionsfraktionschef Volker Kauder (CDU) sagte der Rheinischen Post, er halte so etwas für sinnvoll. Auch stünden Transitzonen an den Landesgrenzen grundsätzlich im Einklang mit einer EU-Verfahrensrichtlinie, an deren Umsetzung derzeit gearbeitet werde. 

Widerstand gibt es jedoch beim Koalitionspartner SPD: Bundesjustizminister Heiko Maas (SPD) äußerte in den ARD-Tagesthemen nochmals seine Bedenken. Angesichts der Situation an der deutsch-österreichischen Grenze gehe er davon aus, dass pro Monat etwa 100.000 Menschen unter ein solches Verfahren fallen würden. Dies sei nach Einschätzung der SPD nicht handhabbar, sagte Maas.

Ähnlich wie Maas kritisierte auch die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung Aydan Özoguz (SPD)  die geplanten Zonen als "eine Art Haftanstalt für Männer, Frauen und Kinder". Das sei "weder praktikabel noch unter humanitären Gesichtspunkten denkbar", sagte sie der Rheinischen Post. Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) äußerte sich "sehr skeptisch". Das Kanzleramt müsse erst mal ein belastbares Konzept vorlegen, forderte er in den Ruhr Nachrichten.

Flüchtlinge frieren in Zelten

Nach einer Umfrage von Anfang Oktober sind sieben von zehn Deutschen der Meinung, die Bundesregierung habe die Verteilung und Registrierung der Flüchtlinge eher nicht oder gar nicht unter Kontrolle. Jeder Fünfte traue überhaupt keiner Partei die Lösung der Krise zu, berichteten die Zeitungen der Funke-Mediengruppe unter Berufung auf eine Studie des Instituts policy matters im Auftrag der SPD. Vom Krisenmanagement der Kanzlerin sind demnach nur 41 Prozent überzeugt, 55 Prozent sind "eher nicht" überzeugt. 

Die Zeitung Die Welt berichtete, dass viele Flüchtlinge noch in Zelten wohnen, die nicht winterfest sind. In den Unterkünften der Bundesländer seien Anfang Oktober rund 42.000 Menschen in Zelten und zeltähnlichen Unterkünften untergebracht gewesen, schrieb die Zeitung unter Berufung auf eine eigene Umfrage in den Ländern. Vor besonders großen Herausforderungen stehe Hessen. Dort wohnten rund 6.900 von 18.000 Flüchtlingen in Zelten – im Verhältnis zur Gesamtzahl der Flüchtlinge sei dies der höchste Anteil aller Bundesländer.