Köln wählt trotz des Attentats auf die parteilose Kandidatin Henriette Reker einen neuen Oberbürgermeister. Berechtigt zur Wahl des Nachfolgers des scheidenden Oberbürgermeisters Jürgen Roters (SPD) sind mehr als 810.000 Bürger. Die Wahlleiterin Gabriele Klug appellierte an die Kölner, nach dem Angriff auf Reker unbedingt wählen zu gehen.

Die von CDU, Grünen und FDP unterstützte Reker hat einer Umfrage zufolge gute Chancen auf einen Wahlsieg. Sie war am Samstag bei einem öffentlichen Auftritt von einem 44-Jährigen niedergestochen worden und musste operiert werden. Nach der Operation bestand für Reker keine Lebensgefahr mehr, teilten Mitarbeiter der Politikerin und das Universitätsklinikum Köln mit. "Wir halten zum jetzigen Stand und bei normalem Verlauf die vollständige Wiederherstellung der Gesundheit von Frau Reker für wahrscheinlich", sagte der Klinikdirektor.

Ein zufällig anwesender Bundespolizist hatte den Täter kurz nach dem Angriff überwältigt und festgenommen. Dabei soll der Täter fremdenfeindliche Parolen gerufen haben. Außerdem habe er der Polizei seine Befürchtung mitgeteilt, dass Ausländer "uns die Arbeitsplätze wegnehmen" und bald in Deutschland die Scharia einführen würden, berichtet Spiegel Online.

Täter offenbar aus der rechtsextremen Szene

Der Täter soll seit Langem in der rechtsextremen Szene aktiv sein. Anfang der neunziger Jahre sei er Mitglied der mittlerweile verbotenen Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei (FAP) gewesen, berichtet Spiegel Online unter Berufung auf die Antifaschistische Aktion Bonn/Rhein-Sieg. Die FAP verstand sich als Nachfolgeorganisation der SA und soll in Verbindung etwa mit dem Brandanschlag von Rostock-Lichtenhagen stehen. Bei der Polizei war der Mann aber offenbar nicht aktenkundig.

Reker ist als Kölner Sozialdezernentin für die Unterbringung von Flüchtlingen zuständig und hatte sich im Wahlkampf wiederholt für die Integration von Asylbewerbern ausgesprochen. Neben ihr hat einer Umfrage zufolge noch der SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Ott Chancen auf den Wahlsieg.

Kölns scheidender Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD) rief zu Standhaftigkeit auf. "Es geht jetzt darum, dass wir uns nicht unterkriegen lassen", sagte Roters. Die Diskussion um Flüchtlinge in Deutschland werde heftiger, immer häufiger würden Asylbewerberheime angegriffen. "Wir müssen alle gemeinschaftlich darauf achten, dass das Klima des Zusammenlebens nicht beschädigt wird", forderte Roters.

Eigentlich sollte schon Mitte September in der viertgrößten deutschen Stadt gewählt werden. Die Bezirksregierung hatte aber die Stimmzettel beanstandet, das Votum wurde um fünf Wochen verschoben.