Nach der Sitzung der Parteispitze hat SPD-Chef Sigmar Gabriel ein Maßnahmenpaket zur Asylkrise vorgestellt. Mit den Vorschlägen erhöht die Partei den Druck auf ihren Koalitionspartner. Die von CDU und CSU vorgeschlagenen Transitzonen seien für seine Partei keine Option, sagte Gabriel.

Transitzonen sollen zur raschen Registrierung und Abschiebung von Flüchtlingen dienen. "Statt großer und unbeherrschbarer Haftzonen an den Landesgrenzen brauchen wir viele Registrierungs- und Einreisezentren innerhalb Deutschlands", sagte der Vizekanzler. Der Unionsvorschlag sei nicht umsetzbar. Bei täglich annähernd 10.000 Flüchtlingen gäbe es in drei Tagen "30.000 Haftplätze". Ihm habe niemand erklärt, "welches Fußballstadion man dafür umrüsten will".

Die Einreisezentren sollen nach SPD-Vorstellungen von Bund und Ländern in den Erstaufnahmeeinrichtungen betrieben werden und damit auf bestehenden Strukturen aufbauen. Dort soll auch über die fast aussichtslosen Asylanträge, etwa von Menschen aus sicheren Herkunftsstaaten auf dem Balkan, entschieden werden, heißt es in dem SPD-Vorschlag.

In Einreisezentren sollen Flüchtlinge registriert werden, um Leistungen des Staates bekommen zu können. Die Gewährung an Asylsuchende und Flüchtlinge solle an die Registrierung selbst gebunden werden, sagte Gabriel am Samstag in Berlin. "Das erhöht den Anteil derjenigen, die dort hingehen."

Wer sich nicht registrieren lässt, soll nicht alle Leistungen bekommen und auch das Asylverfahren werde schwieriger. Gabriel wies in einer Pressekonferenz auch darauf hin, dass die vorgeschlagenen Einreisezentren in bereits existierende Erstaufnahmestellen integriert werden könnten. Auch am Vorschlag von CDU/CSU über die Regelung des Familiennachzugs äußerte Gabriel Kritik. Er sieht verfassungsrechtliche Schwierigkeiten.

Zu den vor allem in der Union spürbaren Auseinandersetzungen über Kanzlerin Angela Merkels Politik der offenen Grenzen sagte Gabriel, dass er ebenfalls nicht viel von Abschottung halte. Interne Streitigkeiten will die große Koalition morgen auf einem Krisengipfel versuchen beizulegen.

Am Abend trifft sich Kanzlerin Angela Merkel bereits mit CSU-Chef Horst Seehofer. Der bayrische Ministerpräsident hatte Merkel ein Ultimatum bis Sonntag gesetzt, um Maßnahmen zu präsentieren, wie sich die Zahl der Asylbewerber in Deutschland verringern ließe.