Nach einer Pegida-Demonstration in Dresden hat Vizekanzler Sigmar Gabriel die islamfeindliche Bewegung scharf kritisiert. "Pegida ist eine rechtspopulistische und in Teilen offen rechtsradikale Empörungsbewegung geworden", sagte er der Süddeutschen Zeitung. Inzwischen stelle sie die Grundlagen der Demokratie infrage. Zwar sei ihm Pegida Anfang des Jahres "als noch unstrukturiertes Sammelbecken von frustrierten Bürgern" erschienen. Nun sei die Bewegung jedoch "zum Reservoir rassistischer Fremdenfeindlichkeit geworden" und "der verlängerte und sprachlich brutalisierende Arm der AfD und NPD auf der Straße", so der SPD-Politiker weiter.

Die Pegida-Demonstrationen begannen vor einem Jahr. Der Name steht für "Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes". Seit der Zuspitzung der Flüchtlingskrise verzeichnen die Organisatoren wieder stärkeren Zulauf. Am Montag versammelten sich Tausende Pegida-Anhänger und Gegendemonstranten in Dresden. Die Polizei sprach in der Nacht von einem im wesentlichen friedlichen Verlauf.

Bundesjustizminister Heiko Maas äußerte sich unterdessen erleichtert über die große Zahl an Demonstranten gegen die Organisation. "Deutschland ist bunter, als die Schwarzmaler von Pegida uns vormachen wollen", sagte der SPD-Politiker.

Die Straße dürfe nicht den Hetzern von Pegida überlassen werden, sagte Maas. "Es ist ein wichtiges Signal, dass so viele Menschen für Weltoffenheit und Demokratie auf die Straße gegangen sind", so der Minister. "Sie setzen ein klares Zeichen."

Der Dresdener Politikwissenschaftler Hans Vorländer sieht eine deutliche Radikalisierung bei Pegida. "Die Hassrede ist zum entscheidenden Vortrag geworden, zudem sieht man eine Radikalisierung bei Plakaten", sagte er der Thüringer Allgemeinen.

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) schrieb in einem Gastbeitrag in der Zeitung Bild: "Der Hass gegenüber Flüchtlingen, der Hass gegen verantwortliche Politiker, der Hass gegen Andersdenkende hat im Internet und auf der Straße ein unerträgliches Maß erreicht. Einige haben in unserer Gesellschaft den gegenseitigen Respekt und den Anstand verloren. Grundwerte, die altmodisch klingen, aber unverzichtbar sind, wenn eine Gesellschaft zusammenhalten soll."