Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD) sieht Deutschland in der Flüchtlingskrise am Rande seiner Kapazitäten. "Wir nähern uns in Deutschland mit rasanter Geschwindigkeit den Grenzen unserer Möglichkeiten", sagte Gabriel Spiegel Online. "Wir schaffen in diesem Jahr die Aufnahme der enormen Zahl der Flüchtlinge nur mit großer Mühe." Viele Orte in Deutschland seien bereits überfordert. "Natürlich kennt das Asylrecht keine Obergrenze, aber bei der Belastbarkeit der Städte und Gemeinden gibt es faktische Grenzen", sagte der SPD-Vorsitzende.

Gabriel forderte eine Debatte über die Probleme und Ängste in der Bevölkerung. Rechtspopulisten und Rechtsradikale versuchten, sich Ängste zunutze zu machen. "Das wird ihnen aber nicht gelingen, wenn wir über Probleme offen reden. "Gleichzeitig dürfe es kein Klima geben, in dem jeder, der sich Sorgen macht, gleich als ausländerfeindlich oder rechtsradikal gelte.

Von den Flüchtlingen forderte er die Verinnerlichung bestimmter Prinzipien. "Wir müssen klar machen, dass es bei uns Dinge gibt, die nicht zur Disposition stehen: das Grundgesetz, die Meinungsfreiheit, Religionsfreiheit, die Gleichberechtigung."

Ähnlich wie Gabriel äußerte sich auch SPD-Vizefraktionschef Axel Schäfer. "Wir sind am Limit", sagte Schäfer der Süddeutschen Zeitung. "Die EU-Außengrenzen müssen möglichst dicht gemacht, das heißt gesichert und kontrolliert werden." Alle europäischen Länder müssten für diesen "Kraftakt" zusammenarbeiten. "Eine ungesteuerte Zuwanderung wird sonst für Flüchtlinge, Behörden und die Bevölkerung nicht mehr tragbar", sagte Schäfer.

"Flüchtlinge gleichen Soldaten"

Der ungarische Ministerpräsident Viktor Orbán sagte im staatlichen Radio, die meisten Flüchtlinge, die in Europa ankämen, glichen eher "Soldaten als Asylsuchenden". Er weise nicht das Recht jeden Landes zurück, die demografischen Probleme "mithilfe junger Menschen aus der arabischen Welt, die wie Krieger aussehen", zu lösen. Es sei aber nicht hinnehmbar, diese Ungarn aufzuzwingen.

Es sei außerdem ungerecht, dass Länder wie die USA, die reichen arabischen Staaten, Israel und Australien von Europa erwarteten, die Flüchtlinge aufzunehmen, während sie selbst nur wenige oder gar keine aufnähmen. Wenn Europa versuche, die Flüchtlingskrise alleine zu lösen, "werden wir unseren Lebensstil zerschmettern (...), die Werte und die Stärke, die wir in den letzten Jahrhunderten entwickelt haben", sagte Orbán. Er fordert weltweite Quoten zur Verteilung der Flüchtlinge, lehnt diese aber für die Europäische Union ab.