Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat kritisiert, wie Österreich sich während der Flüchtlingskrise verhalte. Das Vorgehen in den vergangenen Wochen sei nicht in Ordnung. Österreich habe Flüchtlinge unkoordiniert an die deutsche Grenze gebracht, sagte der Innenminister. Die Flüchtlinge seien in der Dunkelheit ohne jede Vorwarnung und ohne jede Versorgung in die Nähe der Grenze Deutschlands gebracht worden. Er erwarte, dass dies ab sofort nicht mehr geschehe, sagte de Maizière. Österreich habe ihm zugesagt, dass es "zu einem geordneten Verfahren" zurückkehren werde.

Tatsächlich hat sich die Zusammenarbeit an der Grenze etwas verbessert: Ein Sprecher der Bundespolizeiinspektion Freyung sagte, er erhalte nun zumindest Vorabinformationen von den Behörden aus Österreich. Für den heutigen Mittwoch würden 75 Busse mit etwa 3.000 Menschen in Passau und Wegscheid erwartet. Meist würden die Zahlen jedoch übertroffen: "Dann kommen aber doch immer mehr Busse als erwartet."

De Maizière äußerte sich auch über Menschen, die aus Afghanistan nach Deutschland geflohen sind. Diese will er künftig häufiger abschieben. Auf der Liste der Länder, aus denen Menschen nach Deutschland fliehen, sei Afghanistan derzeit auf Platz zwei, sagte er. Das könne nicht so bleiben.

De Maizière: Junge Afghanen sollen nicht fliehen

Deshalb soll die Zahl der Menschen zunehmen, die abgeschoben werden, freiwillig ausreisen oder deren Rückführung gefordert wird. Dieses werde auch durch das neue Asylpaket ermöglicht, sagte de Maizière.

Vor allem Mitglieder der Mittelschicht müssten abgeschoben werden, forderte de Maizière. "Wir sind uns mit der afghanischen Regierung einig, dass die Jugend Afghanistans und die Mittelschichtsfamilien in ihrem Land verbleiben sollen und dieses aufbauen." Deutsche Soldaten würden das Land sicherer machen. Auch sei viel Entwicklungshilfe geleistet worden. "Da kann man erwarten, dass die Afghanen in ihrem Land bleiben", sagte de Maizière.

Fast zehn Jahre lang war die Bundeswehr in der afghanischen Stadt Kundus stationiert gewesen. Vor zwei Jahren wurden die Soldaten abgezogen. Anfang Oktober dieses Jahres eroberten die Taliban die Stadt zurück. 2.000 Kämpfer überrannten die Stadt und stießen dabei kaum auf Gegenwehr. Daraufhin hatte die US-Luftwaffe begonnen, Kundus zu bombardieren. Tausende Zivilisten wurden nach UN-Angaben vertrieben.