Angela Merkel ist für die Schaffung von Transitzonen an den deutschen Grenzen. Dies wolle sie auch gegen den Widerstand des Koalitionspartners SPD durchsetzen, sagte die Kanzlerin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. "Wir erleben eine außergewöhnliche Situation, in der zeitweilig auch ein außergewöhnliches Mittel hilfreich sein kann", sagte Merkel. Beim Deutschlandtag der Jungen Union bekräftigte sie ihre Forderung. Sie werde nicht ruhen und rasten, bis auch die Sozialdemokraten davon überzeugt seien, sagte die CDU-Vorsitzende.

Bisher hatte sich die Kanzlerin nicht eindeutig zu den Transitzonen-Plänen ihrer Partei geäußert. Demnach sollen entsprechend der EU-Richtlinie die Asylbewerber aus sicheren Herkunftsländern direkt an der Grenze abgefertigt werden. Die SPD lehnt diese Maßnahme ab.

Bundesjustizminister Heiko Maas lehnt Transitzonen an deutschen Grenzen dagegen weiterhin ab. Sie seien rechtlich bedenklich und wirkungslos, sagte der SPD-Politiker der Rheinischen Post. "Wir brauchen keine Massengefängnisse für zehntausende Flüchtlinge an unseren Grenzen." Die Migranten würden sich dort nicht freiwillig einsperren lassen und stattdessen über die grüne Grenze kommen. Es seien schnellere Registrierungen und Asylverfahren nötig.

Nach Ansicht der EU-Kommission könnten Transitzonen nur eine befristete Ausnahmeregelung sein. "An den EU-Binnengrenzen können Transitzonen nur eine außerordentliche Maßnahme für einen begrenzten Zeitraum sein, auch wenn sie rechtlich nicht explizit untersagt sind", sagte der Chefsprecher der Brüsseler Behörde. Ungarn hatte angekündigt, ab Samstag die Grenze zu Kroatien zu schließen und Transitzonen einrichten zu wollen.

Beim Treffen der Jungen Union verteidigte Merkel zudem ihre Flüchtlingspolitik. Außerdem kritisierte sie die rot-grünen Bundesländer sowie die grünen Abgeordneten, die sich bei der Abstimmung über das Asylpaket in Bundesrat und Bundestag enthalten hatten. Merkel betonte, dass es sich um eine "nationale Herausforderung" handele.

Nach dem Bundestag hatte der Bundesrat am Freitag dem Gesetzespaket zur Bewältigung der Flüchtlingskrise zugestimmt. Die Regelungen sollen Asylverfahren beschleunigen und bewirken, dass abgelehnte Asylbewerber das Land schneller verlassen. Dazu sind Verschärfungen bei der Abschiebung und Einschränkungen bei Sozialleistungen vorgesehen. Künftig soll es verstärkt Sachleistungen statt Bargeld geben. Abgelehnte Asylbewerber, die sich einer Ausreise verweigern, sollen keine Sozialleistungen mehr erhalten.