Die Bitte des französischen Präsidenten François Hollande abzuschlagen, war keine Option. Nach den Pariser Anschlägen warb er am Mittwoch bei Bundeskanzlerin Angela Merkel um eine Beteiligung Deutschlands am Kampf gegen die Terrormiliz IS. Merkel sagte prompt zu; Deutschland wird liefern, was es kann. Schließlich ist Frankreich der engste Verbündete, und der wurde gerade angegriffen. Da kann die Bundesregierung kaum Nein sagen.

Deutschland wird also Tornado-Aufklärungsflugzeuge, ein Tankflugzeug und eine Fregatte schicken. Es wird zwar selbst keine Bombenangriffe fliegen. Dennoch: Stimmt der Bundestag zu, wovon auszugehen ist, wird Deutschland ab Januar am Krieg in Syrien beteiligt sein. Zwischen Zielerkundung und Bomben besteht völkerrechtlich kein Unterschied.

Deutschland hat sich bisher, aus guten Gründen, nicht aus Feigheit, aus dem Schlamassel in Syrien herausgehalten und nur die kurdischen Peschmerga im Nordirak unterstützt. Weil diese das wirkungsvollste Instrument gegen den IS sind. An dieser strategischen Ausgangslage hat sich durch die Anschläge von Paris im Grunde nichts geändert. Nur dass Frankreich jetzt europäische Solidarität verlangt. Also rückt Deutschland aus, mit einer eher symbolischen Mission. Es hat schon bessere Gründe gegeben, in einen Krieg zu ziehen.

Sicherlich kann man zu Recht sagen, dass der IS eine weltweite Gefahr darstellt und er nur militärisch zu besiegen ist, da man mit den Kopfabschneidern und skrupellosen Massenmördern nicht verhandeln kann. Trotzdem ist es nicht sinnvoll, sich planlos an einem weiteren Krieg zu beteiligen.

Die Frage ist vor allem, welche Ziele mit dem Einsatz verbunden sind. Zwar sind Solidarität mit Frankreich und die berechtigte Empörung über den IS-Massenmord von Paris mehr als verständliche Motive. Sie treiben offensichtlich die Bundesregierung wie die Abgeordneten der Koalition um. Aber eine militärische Strategie erwächst aus einem solchen emotionalen Engagement noch nicht.

Schon einmal, 2001, zog eine westliche Allianz, angeführt von den USA, in den Krieg gegen Terror. Es ging nach den Anschlägen vom 11. September gegen Al-Kaida als Urheber und die mit ihr verbündeten Taliban in Afghanistan. Der damalige Kanzler Gerhard Schröder hatte den USA "uneingeschränkte Solidarität" zugesichert, so wie seine Nachfolgerin jetzt Frankreich "jedwede Unterstützung". Der damalige deutsche Verteidigungsminister Peter Struck prägte später den Leitsatz, die deutsche Sicherheit werde auch am Hindukusch verteidigt. Das allerdings ohne durchschlagenden Erfolg, weil auch am Hindukusch eine klare Strategie fehlte: Nach 14 Jahren Krieg sind die Taliban wieder auf dem Vormarsch; aus Al-Kaida ist der noch viel grausamere "Islamische Staat" erwachsen.

Ähnlich wie damals Struck argumentiert auch jetzt Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen: Die Sicherheit Deutschlands werde auch in Syrien verteidigt, sagt sie mit Blick auf die Terrorgefahr durch den IS auch hierzulande. Dazu kommt das Argument, Fluchtursachen zu beseitigen. Doch wie schon in Afghanistan fehlt eine Perspektive, wie der IS besiegt werden – und was danach kommen soll. Die Bundesregierung droht die Fehler von damals zu wiederholen.

Allen Beteiligten ist klar, dass der "Islamische Staat" militärisch nur niederzuringen ist, wenn man Bodentruppen einsetzt. Luftangriffe können vielleicht den Vormarsch stoppen und die Terrorkämpfer logistisch treffen, aber die sind zu mobil, als dass man sie damit entscheidend schlagen könnte. Es besteht wie in Afghanistan zudem die Gefahr, dass vor allem Zivilisten getroffen werden und der IS dadurch neuen Zulauf bekommt.