Trotz absehbar hoher Kosten durch die Aufnahme und Integration Hunderttausender Flüchtlinge will Bundeskanzlerin Angela Merkel an ihrer bisherigen Finanzpolitik festhalten und keine Steuern erhöhen. "Ich bleibe dabei, auch wenn wir jetzt neue Herausforderungen durch die Flüchtlinge haben, wir brauchen dafür keine Steuererhöhungen", sagte sie auf dem Deutschen Handelskongress in Berlin.

Die Bewältigung der großen Zuwanderung sei wie der Kampf gegen den Terrorismus eine große Herausforderung. Schultern könne Deutschland das nur, weil das Land wirtschaftlich gut dastehe. Nötig seien zudem ein wirksamer Schutz der EU-Außengrenzen und die dortige Registrierung von Flüchtlingen. Zudem stellte die Kanzlerin klar: "Wer allein aus wirtschaftlichen Gründen zu uns kommt, wird wieder in sein Heimatland zurückgehen müssen."

In ihrer Rede erwähnte Merkel auch die Terroranschläge in Paris. "Wir verweilen immer wieder in unseren Gedanken bei den Opfern, bei den Verletzten, bei den Angehörigen, und wir stehen in diesen Tagen eng an der Seite unserer französischen Freunde", sagte sie. "Dieser Akt der Menschenverachtung, der zielt auf uns alle."

Nach einem Treffen mit ihrem österreichischen Kollegen Werner Faymann rief Merkel die internationale Gemeinschaft dazu auf, im Kampf gegen den Terrorismus zusammenzuhalten. Sie sprach von einer "angespannten Zeit", betonte aber zugleich, Terror und Flüchtlingskrise nicht miteinander zu vermengen.

Bereits am Dienstag hatte die Kanzlerin gesagt, die Aufklärung der Terroranschläge sei auch mit Blick auf die Flüchtlingsbewegung in Europa wichtig. Schuldig sei man dies auch "den vielen unschuldigen Flüchtlingen, die vor Verfolgung, vor Terror, vor Krieg ihre Heimat verlassen müssen." Es gehe gerade in diesen Zeiten um den Zusammenhalt der Gesellschaft. Damit wandte sich Merkel auch gegen einzelne Stimmen – etwa des bayerischen Finanzministers Markus Söder (CSU) –, die vor dem Hintergrund der Pariser Ereignisse eine verschärfte Flüchtlingspolitik forderten.

Auf der sogenannten Balkanroute sind seit dem Sommer Hunderttausende Flüchtlinge aus Nahost, Südasien und Afrika nach Europa gekommen. Die meisten von ihnen suchen in Deutschland um Asyl an. Nach Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) lassen Serbien, Kroatien und Mazedonien seit diesem Donnerstag nur noch Asylbewerber aus Syrien, dem Irak und Afghanistan über ihre Grenzen. Eine UNHCR-Sprecherin sagte, die Regularien seien über Nacht geändert worden. Hunderte Menschen säßen nun im Niemandsland fest.