Nordrhein-Westfalen hat dem griechischen Finanzministerium mehr als 10.000 Datensätze zur Verfolgung von griechischen Steuerhinterziehern zur Verfügung gestellt. Die Informationen über Schweizer Bankkonten von Griechen seien über das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) nach Athen übermittelt worden, teilte das Finanzministerium in Düsseldorf mit.

NRW-Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sagte, dass man die griechischen Behörden dabei unterstützen wolle, mehr Steuerehrlichkeit im Land herzustellen. "Dank der erfolgreichen Arbeit unserer Steuerfahnder sind wir dazu auch in der Lage."

Nordrhein-Westfalen war beim eigenen Vorgehen gegen Steuerhinterziehung durch den Ankauf von Daten aus der Schweiz auf die griechischen Kontobesitzer gestoßen. Die Daten beziehen sich auf Privatleute und Unternehmen, die in den Jahren 2006 und 2008 Einlagen bei einer Schweizer Bank hatten. Insgesamt handelt es sich um Guthaben von bis zu vier Milliarden Schweizer Franken (3,7 Milliarden Euro).

In der nächsten Woche will Griechenland mit der Überprüfung der Datensätze beginnen. "Diese Daten werden nicht drei Jahre in der Schublade liegen, so wie die Lagarde-Liste", sagte der stellvertretende griechische Finanzminister Tryfon Alexiadis. Die damalige Liste mit den Namen und Konten zahlreicher Griechen mit großen Auslandsvermögen wurde 2010 von der damaligen französischen Finanzministerin Christine Lagarde an Griechenland übergeben, dort aber nie systematisch aufgearbeitet. Die jetzt vorliegenden Informationen aus NRW sollen auch mit deutscher Unterstützung überprüft werden, sagte Alexiadis.

Ermittlungen in 38.000 Fällen

Durch Steuerhinterziehung und Schmuggel entgehen dem griechischen Staat jährlich bis zu 20 Milliarden Euro. Die Steuerbehörde, zuständig für die Verfolgung der kriminellen Steuerhinterziehung, beschäftigte zu Jahresbeginn gerade einmal 17 Steuerfahnder. Diese müssen sich nicht nur um groß angelegte Steuerhinterziehung der Industrie kümmern, sondern auch um die Bekämpfung von Treibstoffschmuggel.

Mittlerweile ermitteln die griechischen Behörden in 38.000 Fällen. Um weiteren Steuersündern auf die Spur zu kommen, überprüfen die griechischen Behörden derzeit auch die Bankgeschäfte von Griechen mit Grundbesitz in London und mit in den Niederlanden registrierten Jachten.