Cem Özdemir bleibt für weitere zwei Jahre Parteichef der Grünen. Der seit 2008 amtierende Vorsitzende wurde auf dem Parteitag in Halle mit 76,9 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Bei der vorangegangenen Wahl 2013 hatte er 71,4 Prozent der Stimmen erhalten. Özdemir vertritt den Realo-Flügel der Grünen.

Vor Özdemir war auch die Co-Vorsitzende Simone Peter von den Delegierten im Amt bestätigt worden. Sie hatte mit nur 68 Prozent einen Dämpfer erhalten. Vor zwei Jahren hatte sie noch 75,9 Prozent bekommen, damals allerdings ohne Gegenkandidaten.

Gegen Peter und Özdemir, beide 49 Jahre alt, war jeweils nur ein Zählkandidat ohne Erfolgschancen angetreten. Ihre Wiederwahl galt daher als sicher. Vom Wahlergebnis dürfte aber abhängen, ob sie sich um die Spitzenkandidatur bei der Bundestagswahl 2017 bewerben werden.

In seiner Bewerbungsrede unterstrich Özdemir den Anspruch, nach der Bundestagswahl 2017 wieder mitzuregieren. "Ich glaube nicht, dass diese große Koalition alternativlos ist", sagte er. Die Grünen wollten regieren, "weil wir überzeugt sind, dass wir besser sind, dass wir Deutschland gut tun".

Ausdrücklich stärkte Özdemir Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) im unionsinternen Streit über die Flüchtlingspolitik den Rücken. Wenn sich Merkel gegen Obergrenzen für die Aufnahme von Flüchtlinge ausspreche, "dann hat sie recht". Mit Blick auf den kühlen Empfang beim CSU-Parteitag sagte Özdemir, wie sich CSU-Chef Horst Seehofer verhalte, sei unanständig. "Das gehört sich nicht."