Schirnding ist ein Flopp für Pegida. Da sind sie extra nah dran geblieben an ihrem ostdeutschen Kernland und können trotzdem kaum mobilisieren.

Immer mal reißen Lücken in die Menschenkette an diesem Sonntag, dann scherzen sie: "Da haben wir noch ein bisschen Platz gelassen für die Flüchtlinge, wir sind ja keine Unmenschen." Vielstimmiges Gelächter.

Was sie gut können: Es sich mit sich selbst gemütlich machen und von einer goldenen Zukunft raunen. Als sie von der Grenze zurück sind an ihrem Kundgebungsort, einer Kreuzung auf einer gesperrten Bundesstraße, wartet schon der Merchandising-Stand auf sie. Der schwarze Kapuzenpulli mit "Wir sind das Pack"-Aufdruck (So hatte Sigmar Gabriel Pegida-Anhänger genannt) kostet 25 Euro, das "Lügenpresse halt die Fresse"-T-Shirt, auf dem Demonstranten Reporter jagen, zehn Euro. Auch die "Asyltourismus stoppen"-Hemden laufen gut, viele ziehen sich diese neuen Pegida-Trikots direkt über.

Und da stehen sie dann vor der kleinen Bühne, viel mehr Männer als Frauen, ein paar Kinder und viele Rentner, und beklatschen Sätze wie zum Beispiel diesen über Muslime in Deutschland: "So bald die mal loslegen, innerhalb von 24 Stunden haben die vier bis fünf Millionen von uns geschlachtet, nur mit einem reinen Küchenmesser."

Mit den Demonstranten reden kann man als Journalist leider nicht, zehn Versuche blieben erfolglos. Manche grinsen nur verächtlich, andere rempeln einen zur Antwort an und zischen ins Ohr: "linkes Drecksblatt, Lügenpresse, verpiss Dich!"

Man kann deshalb nur den Gesprächen lauschen. Ein kleiner Streit darüber ob Akif Pirinçci Recht hat und auch noch lustig ist, oder ob er nur Recht hat. Ein bisschen Spott über "untrainierte Antifa-Gymnasiasten". Eine alte Dame erzählt einem kahlgeschorenen Jungmann, wie ihr Mann damals an der Ostfront noch fürs "ganze Reich" gekämpft hat und sie irgendwie deshalb die heutigen Politiker nicht mehr ernst nehmen könne.

Für alle anderen ist die Frage eher, ob man diese winzige Pegida-Gruppe hier in Schirnding ernst nehmen muss. Der Ort hat es vorsorglich getan und eine Gegendemo unter dem Motto "grenzenlos glücklich" organisiert. 1.200 Menschen ziehen mit Luftballons durch Schirnding, ein Chor singt und die Blaskappelle spielt, der ehemalige tschechische Außenminister Karel Fürst zu Schwarzenberg hält eine Rede. So viel Widerstand für so ein Häufchen.

Dem Organisator Michael Viehmann bleibt am Ende nur Geraune. Er sagt: "Sebnitz war ein Test. Heute war es ein Symbol um die Freundschaft und Bruderschaft mit unseren Freunden in Tschechien zu zeigen." Dann wird seine Stimme tief und drohend. "Aber", sagt er, "aber jetzt haben wir zweimal trainiert, beim dritten Mal wird es nicht so einfach sein."

Brandenburg - Wenn Flüchtlinge neue Nachbarn werden