Die aktuellen Ereignisse zu den Terror-Anschlägen in Paris lesen Sie in unserem Liveblog.

Es war Zufall, dass der Mann überhaupt in die Hände der bayerischen Ermittler geriet. Am 5. November, ein Donnerstag acht Tage vor den Anschlägen in Paris, führten die Beamten in Rosenheim an der Autobahn zu Österreich eine Schleierfahndung – eine so genannte verdachtsunabhängige Personenkontrolle – durch. Routine im deutschen Grenzgebiet.

Sie wurden auf einen VW Golf mit montenegrinischem Kennzeichen aufmerksam. Darin entdeckten die Polizisten eher zufällig eine Pistole, deren Lauf aus einer Verkleidung unter der Motorhaube hervor ragte. Daraufhin riefen sie weitere Spezialisten hinzu. Die legten dann ein ganzes Waffenarsenal frei: Acht Kalaschnikow-Gewehre, zwei Handgranaten, zwei Pistolen, ein Revolver und 200 Gramm TNT-Sprengstoff waren in dem schwarzen Auto versteckt.

Der Fahrer des Wagens, 51 Jahre alt und montenegrinischer Staatsbürger, ließ sich widerstandslos festnehmen. Er sitzt in Untersuchungshaft und schweigt. Eines alarmiert die Ermittler ganz besonders: In seinem Navigationsgerät hatte der bisher unbescholtene Mann eine Adresse in Paris eingetippt.

Zusammenhang noch nicht gesichert

Dort verübten am Freitagabend, mindestens acht Attentäter eine verheerende Anschlagsserie. Sie schossen auf Menschen in Cafés, nahmen Geiseln bei einem Konzert und zündeten Bomben vor einem Fußballstadion, in dem gerade die Nationalmannschaften von Frankreich und Deutschland gegeneinander spielten. 

Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem Fund in Bayern und den Anschlägen von Paris, die im Auftrag des "Islamischen Staats" verübt sein sollen? Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sagt: "Der Verdacht liegt nahe, dass es sich um terroristische Absichten handelt, beziehungsweise jemand den Terroristen Waffen liefert." Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) am Samstagnachmittag sichtlich erschüttert vor die Journalisten tritt, formuliert er noch vorsichtig: "Es gibt einen Bezug nach Frankreich, aber es ist nicht klar, ob es einen Bezug zu den Attentaten von Paris gibt", sagt er.  

Laut de Maizière wurden die französischen Sicherheitsbehörden über den brisanten Fund informiert. Welche Schlüsse diese daraus zogen, ist unklar. Denn, wie der bayerische Rundfunk berichtet, erhielt das bayerische Landeskrimininalamt über das Bundeskriminalamt von den französischen Behörden lediglich die Rückmeldung, dass man sich gerne mit einem formalen Hilfsgesuch melden solle, falls für die Ermittlungen Informationen aus Frankreich nötig seien. Frankreich ist seit den Terrorangriffen gegen die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo und einen jüdischen Supermarkt sowie dem vereitelten Anschlag auf die französische Marine vor ein paar Tagen eigentlich in erhöhter Alarmbereitschaft.