Nach seiner rassistischen Rede zur Asylpolitik hat sich Thüringens AfD-Chef Björn Höcke vom Bundesvorstand seiner Partei eine Rüge wegen "politischer Torheit" eingefangen. Höcke hatte Ende November in einem Vortrag zur Asylpolitik erklärt, der "lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp" treffe in Europa auf den "selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp". Ein Mitschnitt der Rede war Ende vergangener Woche im Internet aufgetaucht und hatte für Empörung gesorgt.

Jörg Meuthen, neben Frauke Petry zweiter Parteivorsitzender, sagte dazu: "Seine Ausführungen sind sachlich unsinnig, entbehren wissenschaftlicher Substanz und laden zu Fehldeutungen als rassistische Aussagen geradezu ein." Zudem werde Höcke zur nächsten Sitzung des Bundesvorstands vorgeladen, hieß es aus Parteikreisen. Ob ihm wegen seiner Äußerungen der Ausschluss aus der AfD droht, sei noch offen.

Höcke genießt Rückhalt im rechtsnationalen Flügel der AfD und galt zuletzt als gefährlicher Rivale von Parteichefin Petry. Deren Lebensgefährte Marcus Pretzell, Vorsitzender der AfD in Nordrhein-Westfalen, hatte Höcke zunächst ebenfalls kritisiert. Allerdings hat Pretzell den entsprechenden Beitrag auf seiner Facebook-Seite indes wieder gelöscht, da Höcke die "Fehldeutungen" seiner Aussage öffentlich bedauert habe, erklärte Pretzell dazu auf seiner Facebook-Seite.

Nachdem sich der Mitschnitt der Rede verbreitet hatte, verwehrte die AfD zunächst jegliche Kritik an dem Landeschef. Deutliche Worte dagegen fanden Politiker anderer Parteien sowie Rechtsextremismusexperten. Thüringens Landtagspräsident Christian Carius (CDU) sagte dem MDR, Höcke habe sich in eine "gefährliche Nähe zur Argumentation der Nationalsozialisten" begeben. Damit habe er sich als Rechtsextremist entlarvt. Mit Spott reagierte Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow. Offenbar sei die ganze AfD-Spitze mit dem von Höcke diagnostizierten "Verbreitungstyp 'klein r' infiziert", schrieb der Linken-Politiker bei Twitter. Extremismusforscher Hajo Funke sagte dem NDR, dies sei "purer biologischer Rassismus". Höcke sehe offenbar "einen Rassenkampf zwischen der afrikanischen Rasse und der europäischen Rasse". "Das ist unterste Schublade eines Rassismus, wie wir es aus dem Nationalsozialismus kennen."