Die Bundesregierung beobachtet den Weiterbetrieb der belgischen Atomkraftwerke Tihange und Doel weiterhin kritisch. "Wir sind besorgt, ob die erforderliche Reaktorsicherheit dieser Anlagen in vollem Umfang gewährleistet ist", schreibt Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD) am Donnerstag auf ihrer Facebook-Seite. "Speziell die Wiederinbetriebnahme der AKW Tihange 2 und Doel 3 werden wir im Benehmen mit der belgischen Seite aktiv und kritisch hinterfragen. Dazu haben wir Anfang Januar ein Gespräch mit der belgischen Atomaufsicht."

Leider habe die Bundesregierung keine Möglichkeiten, den Weiterbetrieb der Atommeiler zu verhindern. "Es liegt nicht in der Gewalt der Bundesregierung, Atomkraftwerke in anderen Ländern abschalten zu lassen. So wie Deutschland sich nicht vorschreiben lässt, Atomkraftwerke zu betreiben, so können wir anderen nicht vorschreiben, wie sie ihren Energiebedarf decken", teilt die Umweltministerin auf Facebook mit. Das liege in der souveränen Entscheidung jedes Landes.

Tihange liegt etwa 70 Kilometer von Aachen entfernt. Dort werden die Atomanlagen heftig kritisiert. Die nordrhein-westfälische Landesregierung fordert die Stilllegung der Anlage Tihange.

Es sei klar, dass die deutsche Seite dabei mit kritischen Fragen an die belgischen Sicherheitsbehörden herantreten werde, so Hendricks weiter. "Und wir werden klar machen, dass die Bevölkerung in den deutschen Grenzregionen nicht von der Sicherheit der belgischen AKW überzeugt ist und dass dies die belgischen Behörden sehr ernst nehmen müssen."

Mehr als die Hälfte des Stromverbrauchs gedeckt mit Atomkraft

Ungeachtet der jüngsten Probleme in der Atomanlage Tihange hatte die belgische Atomaufsicht zuvor die umstrittene Verlängerung der Laufzeiten der zwei Reaktoren Doel 1 und Doel 2 gebilligt. Zuvor hatte die belgische Mitte-Rechts-Regierung beschlossen, die beiden Reaktorblöcke bei Antwerpen bis 2025 laufen zu lassen. Das ist eine Abkehr vom einstigen Kurs. Nach Fukushima hatte vor mehr als vier Jahren die damalige belgische Regierung beschlossen, ab 2015 mit dem Atomausstieg ernst zu machen. Doch bis heute deckt Belgien mehr als die Hälfte seines Stromverbrauchs mit Atomkraft.

Ursprünglich sollten die Anlagen 2015 stillgelegt werden. Der Betreiber Electrabel hatte unlängst bereits den Reaktor Doel 3 wieder in Betrieb genommen. Er war im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken vom Netz genommen worden.

Nach einem Brand im Meiler Tihange soll auch Reaktorblock 1 der dortigen Anlage an diesem Samstag wieder ans Netz gehen. Der über 30 Jahre alte Reaktorblock Tihange 2 war am vergangenen Montag wieder angefahren worden. Er war seit März 2014 wegen Haarrissen am Reaktorbehälter abgeschaltet. Die belgische Atomaufsicht sah in den Rissen jedoch kein Risiko und hält die Anlage für sicher.