Die 50 Mann marschieren schweigend auf den Innenminister zu. Sie sind schwarz gekleidet, Sturmhauben verdecken ihre Gesichter, sie tragen Schutzwesten und Sturmgewehre. Ein Paar Meter vor ihm stellen sie sich in ordentlichen Reihen auf, das Gewehr vor der Brust, die Hand am Abzug. "Ich danke Ihnen für Ihre Bereitschaft, dabei zu sein", sagt Thomas de Maizière sachlich. Die Männer blicken unruhig umher, sie fühlen sich sichtlich unwohl vor der Masse Journalisten, die das Ganze beobachtet. Das Medieninteresse ist groß: In Blumberg bei Berlin ist die erste von fünf neuen Spezialeinheiten der Bundespolizei angetreten. BFE+ heißt die Truppe, die de Maizière mit wenigen Worten offiziell in Dienst stellt.

Insgesamt 250 Beamte sollen es letztlich werden, verteilt auf fünf Standorte in ganz Deutschland. Es ist die neue Anti-Terror-Truppe der Bundesregierung. Sie soll Terroristen stoppen, wenn nötig erschießen. Dazu sind die Polizeibeamten für ihre Verhältnisse geradezu martialisch ausgerüstet: Neben der üblichen Dienstpistole tragen sie ein modernes Sturmgewehr. Das G36 ist die Standardwaffe der Bundeswehr.

Der sachliche Name der Einheit täuscht ein wenig darüber hinweg, dass es hier viel um Symbolik geht. BFE+, die Abkürzung steht für Beweissicherungs- und Festnahmeeinheit Plus, ist die Reaktion der Bundesregierung auf die Anschläge von Paris. Und sie ist wohl auch eine Reaktion auf die immer wieder geäußerte Forderung, angesichts der Bedrohung durch Terroristen solle die Bundeswehr im Inland eingesetzt werden.

Bereits im Juni hatte die Innenministerkonferenz darüber debattiert, die Polizei schwerer zu bewaffnen. Anlass waren die Anschläge auf die Redaktion von Charlie Hebdo in Paris. Die Täter waren mit Kalaschnikows gekommen, Sturmgewehren russischer Bauart. So etwas will nun auch die deutsche Polizei haben, um in einem Feuergefecht mindestens gleichwertig ausgerüstet zu sein. Es sei das Ziel, im "Schusswechsel mit Terroristen zu bestehen", hatte damals Roger Lewentz gesagt, der SPD-Innenminister des Landes Rheinland-Pfalz und derzeitige Vorsitzende der Innenministerkonferenz.

Was logisch klingt, ist aus gutem Grund rechtlich nicht ganz so einfach. Welche Waffen Polizisten im Dienst einsetzen dürfen, regeln die Landespolizeigesetze. In den meisten Bundesländern sind nur Schlagstock, Pistole und höchstens Maschinenpistole erlaubt. Nur Bayern gestattet auch Maschinengewehr und Handgranate als "besondere Waffen". Neben Bayern darf nur noch eine Polizei solche eindeutig militärischen Mittel nutzen – die Bundespolizei.

Sturmgewehre wie bei der Bundeswehr

Die wurde ursprünglich als Bundesgrenzschutz gegründet, als eine Notfalltruppe des Bundes, um die Grenzen zu sichern und zur Not auch bei der Landesverteidigung zu helfen. Das macht das Innenministerium sich jetzt zunutze, um die Trennung zwischen Polizei und Militär aufzuweichen.

Dabei hat die strikte Aufteilung der Waffen, wie sie bisher herrschte, einen praktischen Sinn. Die Polizei ist ein Skalpell, sie soll so gezielt wie möglich handeln und dabei so wenig wie möglich Schaden anrichten. Daher darf sie nur Waffen einsetzen, die nicht "streuen", die also nicht unabsichtlich Unbeteiligte treffen. Die Armee hingegen ist ein Breitschwert, das den Feind schlagen soll.

Sturmgewehre und erst recht Maschinengewehre sind solche Mittel – Maschinenpistolen hingegen nicht. Der wichtigste Unterschied ist die Durchschlagskraft und die Gewalt der Kugel. Maschinenpistolen nutzen schwächere Pistolenmunition, daher der Name. Dadurch hat die Waffe einen geringeren Rückstoß und der Schütze kann genauer treffen als mit einem Sturmgewehr oder gar einem Maschinengewehr. Letzteres kann nur noch im Dauerfeuer oder in kurzen Feuerstößen geschossen werden. Von einem gezielten Einsatz kann dabei keine Rede mehr sein.

Die neuen Einheiten namens BFE+ sind mit Sturmgewehren ausgerüstet, wie sie sonst beim Militär im Einsatz sind. Das G36 kann im Modus Einzelfeuer zwar einzelne Schüsse abgeben, gebaut aber wurde es, um schnell viel zu schießen und dabei eine hohe Durchschlagskraft zu entwickeln. Kurz: Nicht um einzelne Angreifer aufzuhalten, sondern um möglichst viele zu töten.

"Fachleute haben mir übereinstimmend berichtet, dass sie die massive Bewaffnung der neuen Einheit für übertrieben halten", sagt Rafael Behr, Soziologe und Polizeiwissenschaftler an der Hamburger Akademie der Polizei. Stärker gepanzerte Fahrzeuge könnten sinnvoll sein, um sich zum Beispiel einem Attentäter mit Sprengstoffgürtel zu nähern. Auch das gehört zur Ausrüstung der neuen BFE+. "Aber militärische Langwaffen sind überzogen", sagt Behr.