Zumindest bei der SPD überlegten einige sich das in der kurzen Zeit noch mal anders. Waren in einer fraktionsinternen Probeabstimmung am Dienstag noch zwölf Abgeordnete gegen den Einsatz gewesen, stimmten nun weit mehr als doppelt so viele mit Nein – nämlich 28. Darunter auch solche, die sonst als ausgewiesene Pragmatiker auftreten. Im großen Ganzen aber machten die Abgeordneten der Regierungsfraktionen das Eilverfahren klaglos mit. Kein Wunder: Sowohl CDU als auch SPD haben in der nächsten Woche ihren Bundesparteitag. Einen Tagesordnungspunkt zum Thema Syrien wollten besonders die Sozialdemokraten unbedingt vermeiden.

Die Opposition hingegen war keineswegs vereint in ihrer Ablehnung. Dieter Janecek von den Grünen konnte nicht an sich halten, als Wagenknecht über Opfer des westlichen "Bombenkriegs" sprach, dabei aber Russland vergaß: "Sind sie auf einem Auge blind?" Und auch seinem Fraktionsvorsitzenden Anton Hofreiter war es eklatant wichtig, sich von Wagenknechts Wut abzugrenzen. Die Grünen treten seit Beginn der Debatte schließlich als Stimme der Vernunft auf – nicht grundsätzlich gegen einen Militäreinsatz, den aber nicht im Schnellverfahren und schon gar nicht ohne UN-Mandat. Demgemäß hatte die Fraktion noch versucht, den Tagesordnungspunkt Syrien-Einsatz zu kippen – aber die Mehrheit von Union und SPD war stärker.

Dennoch: Auch die Koalitionsfraktionen können nicht ganz ohne Stichelei. Sie sprachen kaum als Regierung, sondern jede für sich: "wir als Union wollen", "die SPD tritt ein für" – auch ein gewisses Statement, ist eine Bundestagsfraktion doch kaum außenpolitischer Akteur. Bei einer in solcher Regierungsdisziplin durchgepeitschten Entscheidung hätte man sich ruhig etwas mehr gegenseitige Solidarität zugestehen können. Aber dazu reichte die Entschlossenheit dann wohl nicht mehr, wie SPD-Außenpolitiker Rolf Mützenich im Plenum selbst feststellte: "Eine selbstbewusste Koalition" hätte durchaus noch mehr Schulterschluss zeigen können.

Es geht auch anders

Er meinte damit einen gemeinsamen Entschließungsantrag der Regierungsfraktionen, der die langfristige politische und ökonomische Strategie, die ja angeblich den eigentlichen Plan für Syrien darstellen soll, noch einmal schwarz auf weiß festhalten sollte. Einen solchen Masterplan hätte die SPD-Fraktion gerne noch gehabt, um die Zweifler in ihren Reihen etwas zu besänftigen. Die Union aber wollte nicht. 

Die Redner hatten sämtliche rhetorischen Waffen geladen, aber wozu? Das Ergebnis stand schon vorher fest, daran änderte die Heftigkeit dieses Vormittags nichts. Es geht auch anders, zeigt ein Rückblick nach London. Im britischen Unterhaus dauerte die Debatte über den Einsatz in Syrien elf Stunden. Am Ende gab es ein anderes Ergebnis als erwartet: Dutzende Abgeordnete der Opposition stimmten mit der Regierung. In Berlin blieb es am Freitag bei zwei Stunden Schulmeisterlichkeit gegen Pausenhofstänkerei.

Dabei täte eine Debattenkultur, die ihren Namen verdiente, dem Bundestag sicher gut. Selbst wenn der ein oder andere scheinbar mühelos sein Stimmkärtchen in der Urne versenkte: "Schlimme Bauchschmerzen" bei der Abstimmung, wie ein Abgeordneter seinen Gewissenskonflikt später beschrieb, machen auf Dauer niemandem Spaß.