Doch auch wenn Merkel kämpft und eine für ihre Verhältnisse gute Rede hält: Zum Kochen bringt sie die Halle mit ihrer Rede nicht. Trotzdem sprechen viele Delegierte hinterher von einer großen, ja epochalen Rede. Merkel sei es gelungen die Partei wirklich mitzunehmen. Der anschließende Beifall sei deswegen nicht taktisch gewesen. "Ich habe noch nie einen Parteitag erlebt, bei dem ich einen zehnminütigen Applaus als so spontan und ehrlich empfunden habe", sagt anschließend sogar einer ihrer Kritiker.

Dass der Applaus so lange ausfällt, hat daneben wohl aber auch mit der Entschlossenheit der Delegierten zu tun, ein Signal zu setzen, dass sie hinter der Vorsitzenden stehen – anders als die SPD in der vergangenen Woche. Schon gleich zu Beginn des Parteitags hatten sie deshalb  die Kanzlerin mit tosendem Applaus begrüßt.

Entscheidend für die große Zustimmung ist aber natürlich auch, dass der entscheidende Konflikt bereits am Vorabend ausgeräumt worden war. Im Bundesvorstand hatten sich Merkels Kritiker und die Parteispitze auf eine Kompromissformulierung in Sachen Flüchtlingspolitik geeinigt. Der Leitantrag des Parteivorstands wurde um den Satz ergänzt, dass man entschlossen sei, den Zuzug von Flüchtlingen "durch wirksame Maßnahmen zu verringern", weil ein "Andauern des aktuellen Zuzugs Staat und Gesellschaft auch in einem Land wie Deutschland auf Dauer überfordern".

Die Kritiker, darunter zum Beispiel die Junge Union und die Mittelstandsvereinigung, gaben sich mit dieser Formel zufrieden, auch wenn sie ursprünglich eine Obergrenze für Flüchtlinge oder Zurückweisungen an den Grenzen gefordert hatten. Einen Aufstand gegen Merkel wollten sie jedoch nicht wagen.

Nur ein Etappensieg für Merkel

Dass mit dem Kompromiss dennoch längst nicht alle Sorgen ausgeräumt sind, wird dann allerdings während der Aussprache zu Merkels Rede und dem Leitantrag deutlich. Zwar halten sich die kritischen Wortmeldungen in Grenzen. Doch mehrere Kritiker, darunter Bosbach, der sächsische Bundestagsabgeordnete Arnold Vaatz, der baden-württembergische Abgeordnete Armin Schuster und der Vorsitzende des Wirtschaftsflügels, Christian von Stetten, wollen sich mit dem Formelkompromiss in dem Flüchtlingsleitantrag nicht zufrieden geben. In einem Initiativantrag  fordern sie, Flüchtlinge, die aus sicheren Herkunftsstaaten oder sicheren Drittstaaten kommen, bereits an der Grenze abzuweisen. Von dem CDU-Parteitag müsse das Signal ausgehen, dass die CDU in der Flüchtlingspolitik bestehendes Recht anwende.

Durchsetzen können sie sich damit allerdings nicht: Der Leitantrag des Vorstands wird am Ende fast einstimmig angenommen, der Änderungsantrag mit überwältigender Mehrheit abgelehnt. 

Doch auch wenn Merkel diesen Parteitag als wichtigen Etappensieg verbuchen kann: Dass die Debatte über Obergrenzen und Grenzschließungen nun beendet sein wird, das glauben nicht mal die Merkel-Unterstützer. Dafür dürfte schon die CSU sorgen, die sich auf ihrem Parteitag schließlich für Obergrenzen ausgesprochen hat. "Das ist doch nur Papier", sagt  einer von Merkels Kritikern lapidar über den Leitantrag. Entscheidend sei, dass die Abgeordneten im Bundestag sich für weitere Maßnahmen zur Begrenzung der Flüchtlingszahlen einsetzen.

Für Merkel wird deswegen sehr viel davon abhängen, dass ihr Lösungsansatz in der Flüchtlingskrise in den kommenden Monaten auch wirklich Erfolg zeigt und die Flüchtlingszahlen dauerhaft zurückgehen. Sollte das nicht der Fall sein, wird die Einigkeit von Karlsruhe nicht lange halten.