Berührungsängste? Die kennt Sebastian Fischer nicht, weder im direkten Kontakt noch im virtuellen Raum. Der sächsische CDU-Landtagsabgeordnete ist derzeit überall dabei, wo es um die Ängste von Bürgern vor Fremden und Flüchtlingen geht: auf Demonstrationen sogenannter Asylgegner, bei Pegida, in Facebookgruppen wie "Betroffene von Ausländerkriminalität in Sachsen".

Das, so sagt er, sei sein Job als direkt gewählter Abgeordneter, ganz egal, ob ihm das schlechte Presse bringe oder nicht. "Ich muss mit den Leuten reden; ich muss das aufnehmen, was sie umtreibt." Er gehe bewusst in diese Diskussionen, um Vorurteilen Argumente gegenüber zu stellen und den Menschen das Gefühl zu geben, dass die Politik sie ernst nehme und nicht einfach nur abtue.

Dass Fischer im Frühjahr gern bei Pegida gesprochen hätte, hat vor allem außerhalb Sachsens viele irritiert. Er selbst sieht die Ablehnung seines Angebots durch die Organisatoren als Erfolg. "Damit hat Bachmann sich doch ganz klar selbst bloßgestellt und eingeräumt, dass er Angst vor der Diskussion hat." Ihm selbst blieb dadurch eine Debatte über eine Verbandelung mit der rechten Bewegung erspart.

Die anderen Parteien tun sich schwer mit dem, was sich seit mehr als einem Jahr an rechten Bestrebungen entwickelt und durch die Flüchtlingskrise noch verstärkt hat. Auch die Bundes-CDU grenzt sich klar von der AfD und von Pegida ab. In der sächsischen CDU suchen aber einige bewusst den Kontakt zu denen, die das bestehende politische System ablehnen, denen Politiker als "Volksverräter" gelten und die nach Einschätzung vieler Beobachter für die parlamentarische Demokratie eigentlich verloren sind.

Für Fischer ist die Annäherung an den rechten Rand dagegen bewusste Strategie: Der 34-Jährige gehört zu denjenigen in seiner Partei, die die CDU auf patriotischeren Kurs bringen wollen und glauben, eine Repräsentationslücke zu erkennen, weil ihre Partei zu links geworden sei und die demokratische Rechte nicht mehr ausreichend vertrete. Dass er sich so vehement denen zuwendet, die für Volksvertreter auch mal einen Galgen dabei haben, erstaunt dennoch: Immerhin regiert die CDU in Sachsen seit 1990. Sie vertritt also genau den Staat, gegen den sich die Pegida-Leute wenden.

Und nicht immer ist es nur politisches Kalkül, das sächsische CDUler an die Ränder und darüber hinaus treibt. Dass man als Volksvertreter nicht zimperlich sein dürfe, mit wem man rede, davon ist auch Fischers Fraktionskollegin Ines Saborowski-Richter überzeugt. Und wohl auch davon, dass man sich da, wo der Bürgerunmut brodelt, ganz wohl fühlen kann: Sie lief noch bis vor Kurzem bei "Schweigemärschen" im sächsischen Chemnitz mit, als Anwohner im Stadtteil Einsiedel gegen die Errichtung einer Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge protestierten. Sie könne die Bedenken "meiner Einsiedler", wie sie die Anwohner nennt, verstehen, sagt sie: "In einem Stadtteil mit 2.500 Einwohnern sind 500 Flüchtlinge schon eine Hausnummer." Es gebe sehr viele Dinge, die gegen die Unterkunft sprächen: die schlechte Verkehrsanbindung, Sicherheitsbedenken, die Wasserversorgung, die wenigen Einkaufsmöglichkeiten. Und die Wut der Anwohner, deren Bauanträge immer wieder abgelehnt worden seien und die nun mit ansehen müssten, wie für die Flüchtlinge ganz schnell alles möglich gemacht werde, "die halte ich für nachvollziehbar".

Aber dass Anwohner von den Gegnern der Erstaufnahmeeinrichtung gewarnt werden, Flüchtlinge könnten bald "mit Ihren Kindern in Bus und Zug sitzen"? Das sei "natürlich Blödsinn", sagt Saborowski-Richter, man habe halt immer welche dabei, die generell keine Ausländer in ihrem Umfeld wollten. Die Mehrzahl denke aber so nicht.